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KRAFTSTOFF Weniger Ruß

Immer mehr Tankstellen bieten Super-Diesel an. Was ist dran am neuen Saft? *
aus DER SPIEGEL 36/1987

Es klang, als hätte ein Nachfolger Rudolf Diesels eine ebenso wichtige erfinderische Großtat vollbracht wie der Motorenkonstrukteur von anno dunnemals. »Ein neues Diesel-Zeitalter« breche an, so Deutschlands größte Kraftstoff-Firma, die Bochumer Aral, als sie Mitte Mai anstelle ihres bisherigen Diesel-Kraftstoffs erstmals ein »Super Diesel« anbot.

Schon wenige Wochen später konterte die Konkurrenz mit ähnlichen Super-Sorten. Total brachte Mitte Juni »Diesel 2001« auf den Markt. Texaco folgte Mitte Juli mit einem »Diesel Spezial«, und Fina ersetzte seinen alten Stoff durch »Dieselfina Plus«.

BP und Esso orientierten sich sogar beim Namen für ihre neuen Stoffe am Erst-Anbieter Aral. Seit kurzem verkaufen die beiden Markengesellschaften ebenfalls »Super Diesel«.

Vergangene Woche gesellte sich gar ein mittelständisches Mineralölunternehmen dazu. Auch an den 160 Tankstellen der Westfalen AG in Münster können Diesel-Fahrer nun Super tanken.

Wie schon Pionier Aral rühmen alle Super-Verkäufer die überlegene Qualität der »neuen Kraftstoffgeneration« (Aral-Werbung). Durch eine geschickte Kombination wohltätiger Wirkstoffe, der sogenannten Additive, sorgt die Super-Mischung angeblich dafür, daß *___der Motor ruhiger und runder läuft, *___weniger Ruß, Rauch und Kohlenmonoxid aus dem Auspuff ____kommen, *___die Einspritzdüsen nicht verkoken, *___der Rostschutz verbessert wird, *___der Kraftstoff schneller in den Tank gefüllt werden ____kann, weil er nicht mehr so stark aufschäumt, *___der Verbrauch ein wenig sinkt.

Doch Franz Groh, Geschäftsführer des Uniti Bundesverbandes mittelständischer Mineralölunternehmen, ist sich sicher, daß »der Werbegag größer ist als der tatsächliche Nutzeffekt«. Der Interessenvertreter noch superloser Diesel-Verkäufer sieht in dem neuen Angebot mehr den »Versuch der Großen, die Kleinen zu diskriminieren«, als das Bemühen um eine bessere Kraftstoff-Qualität.

Unbestritten ist zwar, daß Super-Diesel für eine etwas bessere Verbrennung sorgt und daß damit weniger Schadstoffe ausgestoßen sowie die dieseltypischen Geräusche gedämpft werden. Aber ebenso richtig ist auch, daß der Qualitätsabstand zwischen altem und neuem Diesel keineswegs so groß ist, wie durch die vom Benzin her bekannte Bezeichnung »Super« suggeriert wird.

Normal- und Super-Benzin sind Kraftstoffe, die ganz verschiedene Qualitätsnormen zu erfüllen haben. Super-Benzin ist daher auch deutlich teurer als der normale Kraftstoff. Für Diesel-Kraftstoff hingegen gibt es nur eine Norm. Die ist so niedrig angesetzt, daß die Ölfirmen in den vergangenen Jahren Diesel mit merklich schlechterer Zündwilligkeit auf den Markt brachten, ohne gegen die DIN-Vorschrift zu verstoßen. Ein Anbieter, der nun seinen Diesel zum Super hochstilisieren will, braucht lediglich Additive in seinen Stoff hineinzukippen, die seiner Meinung nach das Prädikat Super rechtfertigen.

So wiederholt sich mit der vermeintlichen Super-Welle im Diesel-Geschäft nur, was vor ein bis zwei Jahren schon im Handel mit Otto-Kraftstoff vorexerziert worden war. Damals hatte Esso als erste deutsche Ölgesellschaft ihr Benzin durch Zugabe eines »Breitband-Additivs« veredelt. Bald darauf folgten die anderen mit ähnlichen Benzin-Beigaben, und inzwischen ist auch an jeder Tankstelle »additiviertes« Benzin zu haben. So wie damals keiner der Wettbewerber gewagt hatte, für sein angeblich besseres Benzin einen höheren Preis als die Konkurrenz zu nehmen, so traute sich auch Aral diesmal nicht, seinen kurzen Vorsprung für eine Preiserhöhung zu nutzen. Zu groß war das Risiko, daß die Firma auf ihrem neuen Diesel sitzengeblieben wäre.

Trotz der Kosten für die Beimischung des Additivs blieb Aral beim alten Diesel-Preis. Das zahlte sich beim Absatz aus. Der stieg in den Monaten Juni und Juli um 36 und 34 Prozent gegenüber den gleichen Vorjahres-Perioden.

Aber der Vorsprung wird bald völlig schwinden. Als letzte große Markengesellschaft führt Shell im September ein Super-Diesel ein. Und »in garantiert drei Monaten«, versichert Uniti-Mann Groh, »haben alle Super-Diesel«.

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