Inflation und Kaufkraft Wenigstens der Eispreis bleibt stabil

Energie wird teurer, die meisten Lebensmittel auch, Lohnanstiege können das derzeit nicht ausgleichen. Langfristig dürfte das besser klappen, zeigt eine Berechnung. Und noch einen kleinen Trost gibt es.
Eis: Vier Minuten und vierzig Sekunden arbeiten, um sich eines davon kaufen zu können

Eis: Vier Minuten und vierzig Sekunden arbeiten, um sich eines davon kaufen zu können

Foto: Giammaria Zanella / 500px / Getty Images

Vieles wird gerade teurer, die Inflationsrate in Deutschland liegt weiter über sieben Prozent, auch wenn sie im Juli leicht zurückgegangen ist, wie das Statistische Bundesamt meldet: 7,5 Prozent betrug die Jahresteuerung im abgelaufenen Monat, im Juni waren es 7,6 und im Mai 7,9 Prozent.

Das macht es Verbrauchern schwerer, mit dem eigenen Budget auszukommen. Langfristig steigen aber nicht nur die Preise, sondern auch Löhne und Gehälter. Deswegen berechnet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) regelmäßig, wie sich diese Werte zueinander verhalten.

Eine Arbeitsstunde: Kino, Kaffee, Brot, Bier, Briefmarke

Blickt man etwa 30 Jahre zurück, müssen Menschen vielfach weniger lang arbeiten, um dieselben Produkte und Dienstleistungen bezahlen zu können. Für eine Stunde Arbeit konnten sich die Menschen im Juni 2022 im Durchschnitt demnach einen Kinobesuch, 500 Gramm Bohnenkaffee, eine Briefmarke für einen Standardbrief, ein Kilogramm Mischbrot und eine Flasche Bier leisten. 1991 mussten die Menschen dafür noch sieben Minuten länger arbeiten.

Im Vergleich zu 2020 ist die sogenannte Kaufkraft pro Lohnminute für diese Produkte insgesamt allerdings gesunken: Vor zwei Jahren mussten die Menschen dafür im Schnitt lediglich 56 Minuten arbeiten. Da schlägt sich die seit Monaten höhere Inflation nieder.

Ein Trost mag sein, dass zumindest Speiseeis recht preisstabil ist. Das IW hat sich tatsächlich mit den Preisen von typischen Freibadbuden-Sorten beschäftigt und stellt fest: »Die Preise für Domino-, Capri- und Cornetto-Eis sind in den vergangenen zwei Jahren nicht gestiegen. Teurer geworden ist hingegen Nogger: 2020 kostete die nussige Erfrischung 1,60 Euro, in diesen heißen Tagen sind es 1,70 Euro. Auch für Magnum müssen wir mehr zahlen – hier stieg der Preis von 2,20 Euro auf 2,50 Euro.«

Für Domino und Capri kürzer arbeiten

Das führe dazu, dass man für ein Magnum sieben Minuten und 17 Sekunden arbeiten müsse. Bei den meisten anderen Sorten sieht es besser aus. Für Domino und Capri »waren vor zwei Jahren noch drei Minuten und fünf Sekunden Arbeit notwendig – heute sind es nur noch zwei Minuten und 55 Sekunden. Damit sind Domino und Capri prozentual am stärksten im Preis gesunken«, schreibt das IW. Beim Cornetto fällt der Preis etwas schwächer, »hier muss anstelle von vier Minuten und 57 Sekunden noch vier Minuten und 40 Sekunden gearbeitet werden.«

Die Berechnungen des IW basieren auf den Preisentwicklungen für Produkte und Dienstleistungen sowie auf dem Nettoverdienst der Deutschen pro Stunde. »Seit der deutschen Einheit bis 2021 ist die Kaufkraft pro Lohnminute um 27 Prozent gestiegen«, sagte Christoph Schröder vom IW. »Und jetzt haben wir natürlich schon Verluste durch die hohe Inflationsrate.«

Die Inflationsrate sei aber nicht der einzige Faktor, der sich auswirkt, bei Lebensmitteln etwa spielten oft schlechte Ernten eine wichtige Rolle. »Aktuell sehen wir da hohe Preisanstiege«, so Schröder. Laut Berechnungen des IW mussten die Menschen beispielsweise für 2,5 Kilogramm Speisekartoffeln im Juni 2022 drei Minuten länger arbeiten als 1991. Erst nach 13 Minuten auf der Arbeit waren die Kartoffeln verdient.

Auch ein Friseurbesuch zum Haarewaschen und -föhnen für Frauen ist teurer geworden. Eine Stunde und elf Minuten müssen die Deutschen dafür arbeiten – zwölf Minuten länger als 1991. »Wer eher viele Dienstleistungen in Anspruch nimmt, für den ist das Leben nicht so viel günstiger geworden wie für andere Leute«, bestätigte Schröder.

Deutlich weniger Arbeitszeit müssen die Menschen mittlerweile hingegen für ein Fernsehgerät aufwenden. Waren es vor rund 30 Jahren noch 79 Stunden und vier Minuten, so war der Fernseher dieses Jahr nach nur 17 Stunden und 58 Minuten verdient.

mamk/dpa
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