Werbe-Absurditäten Coca-Cola färbt den Himalaja rot

Die Brause-Abfüller Coca-Cola und Pepsi sind in einem Streit um absonderliche Werbepraktiken vor das indische Verfassungsgericht zitiert worden. Ausgerechnet im Himalaja-Gebirge sollen sie überdimensionierte Firmenlogos direkt auf den nackten Fels gemalt haben.

Neu Delhi - Die indischen Ableger der amerikanischen Konzerne werden einiges zu erklären haben. Zwischen dem Ort Kothi und den Wasserfällen von Beas Kund sind einem Bericht der "Times of India" zufolge ganze Bergwände vollständig verunstaltet. 56 Kilometer lang sei die Straße in der Provinz Himachal Pradesh, an der entlang sich offenbar ein Cola-Logo nach dem anderen findet. Die Werbung sei direkt mit Farbe auf den Stein gemalt worden, heißt es.

Das Oberste Gericht in Neu Delhi ist offenbar alles andere als amüsiert. Die Richter B. N. Kirpal, K.G. Balakrishan und Arijit Pasayat jedenfalls haben den Konzernen eine Vorladung geschickt. Schon jetzt bemühen sich beide um Schadensbegrenzung. Sunil Gupta, Sprecher von Coca-Cola Indien, beteuerte gegenüber dem "BBC World Business Report", sein Unternehmen habe keine Kontrolle über die Bergbesudelung.

Dem Waldministerium den Fehdehandschuh hingeworfen

Die Werberegularien des Konzerns seien eigentlich sehr strikt, Anzeigenmotive dürften sich nur in der Nähe eines Geschäftes finden, das Coca-Cola verkauft - und auch dort nur an Gebäudewänden und innerhalb von Läden. Die Werbegemälde im Hochgebirge seien offenbar in Auftrag von lokalen, unabhängigen Franchise-Nehmern des Unternehmens angefertigt worden. Er wisse noch nicht, wie viele Gemälde es gebe und wie groß sie seien. Man werde das Ausmaß der Verunstaltung an Hand von Fotografien studieren und dann entscheiden, ob Coca-Cola für die Reinigung der Berge aufkomme.

Umweltschützer wissen derweil nicht, was sie schlimmer finden sollen: Die Farbe an den Bergen oder die Aussicht, dass Reinigungstrupps mit literweise Farbentferner anrücken könnten. Die Region in Himachal Pradesh ist streng geschützt, weil sie als sensibles Ökosystem gilt, in dem seltene Mikroorganismen und Moosarten vorkommen. Diese Moose, so der Staatsanwalt, seien nun zerstört worden.

Der geschändete Gipfel

Zugleich haben sich die Werbe-Übeltäter direkt mit den Obrigkeiten angelegt. Die gesamte Region, so die "Times of India", gehört dem staatlichen Waldministerium, ihr Erhalt wird durch das Indischen Waldgesetz und das Waldschutzgesetz geregelt. Jeglicher Eingriff in die Umwelt dieser Gegend müsse zuvor von der Bundesregierung genehmigt werden.

So könnte sich die Werbeaktion, wer auch immer sie verschuldet hat, zum PR-Fiasko für die Limonaden-Multis auswachsen. Der Staatsanwalt sprach vor dem Gericht schon dramatisch von "Vergewaltigung in den Bergen".

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