Werbeoffensive Dell sucht gebrauchte iPods

Mit einer Werbeoffensive will der amerikanische Computerhersteller Dell den Verkauf seiner Jukebox ankurbeln. Das Angebot ist nicht übertrieben originell, dafür aber umso aggressiver – und es richtet sich gegen den Platzhirschen im Markt der tragbaren Musikspieler: Apple.

San Francisco/San Jose - Die Idee kupferten die Dell-Verkäufer von Rasierzentralen und Neuwagenhändlern ab. Die bezahlten in der Vergangenheit nicht selten üppige Preise für Elektronikschrott oder alte Rostlauben, um eine schleppende Nachfrage anzukurbeln oder Ladenhüter loszuschlagen.

Dell nimmt nun nach dem gleichen Muster gebrauchte iPods in Zahlung und bietet dafür je Gerät 100 Dollar - vorausgesetzt, der Kunde bestellt den hauseigenen MP-3-Player namens Digital Jukebox. Ein wahrlich attraktives Angebot. Schon mit dem regulären Preis von 199 Dollar liegt die Jukebox mit 15 Gigabyte Speicherplatz deutlich unter dem eines vergleichbaren iPods, der immerhin 299 Dollar kostet. Für 99 Dollar also würde der Kunde ein Gerät erhalten, das zwar ein wenig mehr Gewicht auf die Waage bringt, dafür aber auch 7000 statt 3700 Songs speichern kann. So jedenfalls steht es im Werbeprospekt von Dell.

Trotzdem beherrscht Apple den Markt bisher unangefochten. Mehr als 50 Prozent aller verkauften MP-3-Player sind iPods.

Doch der Verkauf der Musikboxen ist nur die halbe Miete. Wer hier den Markt beherrscht, der hält damit auch den Schlüssel zu einem sehr viel lukrativeren Geschäftsfeld in der Hand - dem Verkauf von Musikdownloads. Hier hat Apple sich eine Art Monopolstellung geschaffen, weil sein iPod speziell auf den hauseigenen Online-Musikshop namens iTunes abgestimmt ist. Das herkömmliche MP-3-Format beherrscht er zwar auch, die anderen aber können bei iTunes nicht andocken.

Den Weg des Einzelkämpfers geht übrigens jetzt auch der Sony-Konzern, der damit gleichzeitig wieder an alte Traditionen anzuknüpfen versucht. Mit dem NW-HD1 versuchen die Japaner, dem legendären Walkman wieder neues Leben einzuhauchen. Der Musikspieler ist ein wenig größer als der neue iPod mini, fasst dafür aber auch statt vier ganze 20 Gigabyte an Musikdaten. Der Akku soll ausreichend Energie für eine Laufzeit von 30 Stunden bereitstellen, mehr als drei Mal so viel wie Konkurrent iPod.

Anders als Dells Jukebox und genauso wie der iPod hält sich der NW-HD1 nicht an die üblichen Standards, wenn es um den Code geht, in dem die Musik abgespeichert wird. ATRAC heißt er bei Sony, und nur dort. Sony erhofft sich damit bessere Geschäfte für seinen Online Shop Sony Connect.

Die Wege, den "eWalkman" an den Mann zu bringen, bleiben dagegen konventionell: über den Preis. In den USA soll das Gerät rund 100 Dollar billiger angeboten werden als der iPod der 20-Gigabyte-Liga. Ab Montag soll er auch in Europa an den Start gehen. Der Preis steht allerdings noch nicht fest.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.