Werbetricks "Es geht nur ums Abzocken"

Angesichts der grassierenden Konsumflaute setzen Unternehmen zunehmend auf dubiose Reklametricks. Die Wettbewerbszentrale klagt entsprechend über einen Anstieg der unlauteren Werbung. Vor allem Elektronikmärkte und Krankenkassen fallen unangenehm auf.


Rabattversprechen: "Manche Anbieter nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau"
DPA

Rabattversprechen: "Manche Anbieter nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau"

Bad Homburg - Knapp 21.000 Beschwerden verzeichnete die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs 2004 - ein Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Beschwerden drehen sich um undurchsichtige Reklamemaßnahmen, unlautere Gewinnspiele und Verstöße gegen die Preisangabenverordnung, teilte die Wettbewerbszentrale mit. Auch das Ladenschlussgesetz und die Jugendschutzvorschriften würden häufig missachtet.

In knapp 3500 Fällen musste sich die Wettbewerbszentrale mit irreführender Werbung beschäftigen. "Um die Verbraucher aus ihrer Konsumzurückhaltung herauszulocken, nehmen es manche Anbieter mit der Wahrheit nicht so genau", erklärte Geschäftsführer Reiner Münker. "Es sind nicht immer die am besten und am günstigsten, die am lautesten schreien."

Unter anderem verwiesen die Wettbewerbshüter in ihrem Jahresrückblick auf...

  • ...eine den Verbraucher irreführende vergleichende Preiswerbung bei der Supermarkt-Kette Wal-Mart. Der Einzelhändler hat auf Plakaten diverse Produktpreise mit denen eines ortsansässigen Konkurrenten verglichen und kam zu dem Schluss, dass die eigenen Preise niedriger waren. Problem dabei: Die Wal-Mart-Preise lagen in Wahrheit teilweise sogar über denen des Konkurrenten.
  • ...ein Urteil des Landgerichts München. Die Richter hatten die Zeitschrift "Bunte" verurteilt, es zu unterlassen, redaktionell gestaltete Werbeanzeigen zu veröffentlichen, ohne diese deutlich und unmissverständlich als Wirtschaftswerbung zu kennzeichnen. Im vorliegenden Fall ging es um eine Werbeanzeige, die als redaktioneller Artikel der "Bunten" aufgemacht war und sich über zwei Seiten erstreckte. Das Wort Anzeige tauchte erst weit hinten im Text auf.
  • ...auf ein Urteil des Oberlandesgerichts in Saarbrücken. Die Richter erklärten die Werbung eines Baumarktes für unzulässig, die mit dem Hinweis auf eine Beratung durch die Feuerwehr Produkte aus dem Brandschutzsektor wie Rauchmelder, Feuerlöscher, Rettungsleitern anpries. Durch die Einschaltung von Autoritätspersonen in den Wettbewerb wird der Verbraucher unzulässig beeinflusst, hieß es.
Als Hort der unlauteren Werbung hat Münker die Branche der Unterhaltungselektronikmärkte ausgemacht. Dot würden den Verbrauchern günstige Preise durch Bezugnahme auf eine unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers suggeriert, die es so gar nicht gegeben habe oder die tatsächlich deutlich niedriger gewesen sei.

Häufig eingreifen musste die Wettbewerbszentrale nach eigenen Angaben gegen Gewinnspielaussendungen, in denen den Adressaten tolle Preise versprochen wurden, die sie angeblich mit einem Anruf unter kostenpflichtigen und besonders teuren Rufnummern abrufen konnten. "Tatsächlich geht es den Versendern hier nur um das Abzocken von Telefongebühren", warnt die Wettbewerbszentrale.

Der harte Wettbewerb im Gesundheitsmarkt habe ebenfalls zu steigenden Beschwerdezahlen geführt, erklärte die Zentrale weiter. So hätten gesetzliche Krankenkassen zum Teil mit nicht zutreffenden Beitragssätzen geworben, während private Assekuranzen versucht hätten, Zusatzversicherungen mit falschen Warnungen unter die Leute zu bringen. So habe man damit geworben, dass Zahnersatz ab 2005 nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werde.



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