Werbewende EU will Gesundheits-Slogans verbieten

"Hilft gegen Stress", "Verstärkt die Abwehrkräfte" - diese und andere Slogans könnten bald so passé sein wie das HB-Männchen. Die EU-Kommission arbeitet an einer Bestimmung, die gesundheitsbezogene Werbeaussagen in den meisten Fällen unmöglich machen soll. Die PR-Branche tobt.


Supermarkt-Regal mit "Bio"-Joghurt: Legitimer Feldzug gegen leere Versprechungen - oder groteske Überregulierung?
DPA

Supermarkt-Regal mit "Bio"-Joghurt: Legitimer Feldzug gegen leere Versprechungen - oder groteske Überregulierung?



Brüssel - Alle Lobby-Bemühungen haben nichts genützt: Obwohl die Werbeindustrie schon seit Monaten Sturm gegen die geplanten Verordnungen läuft, haben sich die EU-Beamten nicht beirren lassen. Im Gegenteil: Der Entwurf der Kommission ist bei seinem Lauf durch die Abteilungen offenbar noch verschärft worden - das jedenfalls berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Offiziell soll der Entwurf für die neue Werbeverordnung laut Bericht in der kommenden Woche vorgelegt werden. Er sehe vor, dass nicht überprüfbare Werbebehauptungen, die sich auf Gesundheit und Wohlbefinden beziehen, verboten werden sollten. Slogans, die pauschal eine Minderung des Gewichtes oder einen Abbau von Stress versprechen, wären damit künftig nicht mehr legitim. Wahrscheinlich werde es eine Übergangsfrist von drei Jahren geben, bis die Bestimmungen in Kraft treten.

Die geplante Verordnung geht laut "FAZ" aber noch weiter: Auch weitgehend unstrittige Aussagen wie "Obst ist gesund" oder "Kalzium stärkt die Knochen" sollen vom Grundsatz her nicht mehr gestattet sein - es sei denn, sie sind vorher in eine Art Positivliste der erlaubten Slogans aufgenommen worden.

Werber oder Unternehmen müssten dafür einen Antrag beim EU-Gesundheitsamt stellen, um ein bestimmtes Gesundheitsversprechen genehmigt zu bekommen. Zur Begründung müssten wissenschaftliche Studien eingereicht werden. In letzter Instanz werde die Kommission selbst alle Aussagen prüfen, ihr Votum solle spätestens sechs Monate nach Antragstellung vorliegen.

Die Verordnung sei inzwischen sehr detailliert, schreibt die "FAZ" weiter. So wolle die Kommission genau vorschreiben, welche Kriterien erfüllt sein müssten, damit Produkte mit Begriffen wie "salzarm" oder "vitaminreich" versehen werden dürfen. Die EU-Beamten würden dann zum Beispiel genau definieren, ab wie viel Prozent Fettgehalt Lebensmittel nicht mehr als "fettarm" beworben werden dürften.

Aus Sicht der Werbe-Branche ist das alles groteske Überregulierung. Die Verbraucher seien erfahren genug, um kritisch mit Werbeaussagen umzugehen, zitiert die "FAZ" den Geschäftsführer des deutschen Werber-Verbandes. Für ihn steht fest: Die geplanten EU-Regeln sind "sozialistisches Gedankengut".



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