Werften Wadan-Mitarbeiter hoffen auf Rettung in letzter Minute

Düstere Stimmung an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns: Die Mitarbeiter der Wadan-Werften verlieren allmählich die letzte Hoffnung auf eine Rettung ihrer Arbeitsplätze. Als letzte Möglichkeit bleibt ihnen nur die ungeliebte Übergangsbeschäftigung in einer Transfergesellschaft.


Schwerin - Mit einer Demonstration in Wismar wollten die 2400 Mitarbeiter der beiden insolventen Wadan-Werften in Wismar und Rostock am Freitag auf ihre Lage aufmerksam machen. Denn ab Montag wird in den Betrieben nicht mehr gearbeitet, weil es keine Beschäftigung mehr gibt. Ein rettender Investor ist bisher nicht in Sicht. Gegen Mittag will der Insolvenzverwalter in Schwerin über die weiteren Schritte informieren.

Warnemünder Wadan-Werft: Hoffen auf eine Zukunft im Spezialschiffbau
dpa

Warnemünder Wadan-Werft: Hoffen auf eine Zukunft im Spezialschiffbau

Demnach sollen Transfergesellschaften für beide Standorte gebildet werden, auch wenn am Donnerstag noch nicht die erforderlichen 95 Prozent der Beschäftigten zugestimmt hatten. Ein Kredit von 20,5 Millionen Euro des Landes Mecklenburg-Vorpommern hatte die Transfergesellschaften möglich gemacht. Nach dem Ende der Transfergesellschaft droht den Beschäftigten Arbeitslosigkeit.

Land verspricht Hilfe

Der Insolvenzverwalter sucht nach Angaben seines Sprechers weiter nach einem Investor. Das Land will weitere Hilfen nicht verweigern, "wenn es eine Perspektive gibt und wenn es wirtschaftlich verantwortbar ist", wie Ministerpräsident Erwin Sellering in der "Schweriner Volkszeitung" versicherte. Dem Deutschlandfunk sagte er, die Zukunft für die Werft liege im Spezialschiffbau. Der Bau technisch einfacher Containerschiffe sei dagegen in Deutschland angesichts der Billigkonkurrenz aus Asien chancenlos.

Die beiden Wadan-Werften hatten Anfang Juni Insolvenz angemeldet. Der russische Mehrheitseigner und der koreanische Zweitgesellschafter STX hatten zuvor Abnahme- und Finanzierungszusagen zurückgezogen. Wadan ist die größte Werft in Ostdeutschland und bundesweit die drittgrößte nach den ThyssenKrupp-Werften in Hamburg, Kiel und Emden und der Meyerwerft in Papenburg.

Landeswirtschaftsminister Jürgen Seidel sagte am Freitag dem ZDF, die Auftragsgestaltung für Schiffsbauten in Deutschland sei "verrückt". Die Verträge schrieben eine fünfprozentige Anzahlung sowie eine volle Kreditfinanzierung der Schiffe vor. Im Fall der schwedischen Reederei Stena Line, die zwei Fähren bei Wadan bestellt hatte, sei "eine Finanzierung da, aber die Reederei ist nicht bereit, auf ihr Recht, in einer Insolvenz kündigen zu können, zu verzichten". Darüber werde verhandelt.

mik/AP



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