Krise der MV Werften »Es geht um Tausende Familien«

Die Pandemie sorgt für eine neue Werftenkrise. In Mecklenburg-Vorpommern steht einer der größten Arbeitgeber vor dem Aus. Die Bundesregierung will helfen – aber nicht ohne einen Eigenbeitrag der Besitzer aus Hongkong.
Die »Global Dream« in der Werft in Wismar

Die »Global Dream« in der Werft in Wismar

Foto: Frank Hormann / dpa

Die Werftenkrise der Neunzigerjahre schien lange her zu sein. In Mecklenburg-Vorpommern ist sie wieder da, seit Corona das Kreuzfahrtgeschäft ruiniert hat. Die MV Werften, mit knapp 2000 Mitarbeitern zuletzt einer der größten Arbeitgeber der Region, kämpfen um ihre Existenz. Jetzt ringen der asiatische Eigentümer und die Bundesregierung um weitere Hilfen.

In den festgefahrenen Verhandlungen sieht die Genting-Gruppe den Bund am Zug. Der Präsident von Genting Hongkong, Colin Au, und der Geschäftsführer der Werften-Gruppe, Carsten Haake, äußerten am Sonntag Unverständnis gegenüber dem Vorgehen der Bundesregierung.

Au appellierte an die verantwortlichen Politiker, ihre ablehnende Haltung zu überdenken: »Es geht um Tausende Familien.«

Eigentümer soll sich an Finanzhilfen beteiligen

Zusätzlich sei eine ganze Branche samt Zulieferer in In- und Ausland bedroht. »Die Werften jetzt fallen zu lassen, wäre der größte ökonomische Fehler, den die Bundesregierung machen könnte«, sagte Au.

Der Bund ist zu weiteren Hilfen bereit, wollte bisher aber nicht von seiner Forderung nach einem Eigenbeitrag des Eigentümers abrücken. Es fehle ein Bekenntnis zur Werft, hieß es zuletzt in Berlin.

Die Zukunft der MV Werften ist gefährdet

Die Zukunft der MV Werften ist gefährdet

Foto: Jens Büttner / picture alliance / dpa-Zentralbild

Die Bundesregierung hatte schon vor Weihnachten einen Vorschlag zur Rettung der angeschlagenen Werften in Mecklenburg-Vorpommern und Bremerhaven vorgelegt. Konkret sollte das riesige Kreuzfahrtschiff »Global Class 1« mit rund 600 Millionen Euro aus dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds fertig gebaut werden.

Im Gegenzug verlangte das Wirtschaftsministerium einen Eigenbeitrag des Eigentümers von 60 Millionen Euro. Als Sicherheit für die Finanzspritze des Bundes sollte das Schiff verwendet werden. Auch die Landesregierung in Schwerin ist zu einer Finanzspritze bereit.

Kreuzfahrtschiffe für den asiatischen Markt

Die Werften-Gruppe baut in Warnemünde und Wismar Kreuzfahrtschiffe für die Konzernmutter Genting, die in Asien zu den größten Anbietern zählt. Rund 600 Zulieferer arbeiteten beispielsweise an der »Global Dream« mit, die 340 Meter lang und 46 Meter breit ist. Mehr als eine Milliarde Euro kostete das Schiff. Das Geschäft sicherte der Bund mit Exportgarantien ab.

Die MV Werften gehören seit 2016 zum Genting-Konzern, der von Kuala Lumpur und Hongkong aus gesteuert wird. Das Unternehmen betreibt beispielsweise Vergnügungsparks und veranstaltet Kreuzfahrten. Als die Werften in den Boom-Jahren mit den Bestellungen der Reedereien nicht hinterherkamen, kaufte Genting kurzerhand die deutsche Werften-Gruppe für 230 Millionen Euro.

Genting-Manager bei einer Pressekonferenz am Sonntag in Wismar

Genting-Manager bei einer Pressekonferenz am Sonntag in Wismar

Foto: Frank Hormann / dpa

Der Tourismus- und Casinokonzern Genting pumpte anschließend 840 Millionen Euro in die Werft, kam mit der Coronakrise aber selbst in schweres Fahrwasser. Zu Beginn der Pandemie kündigte das Unternehmen an, seine Schulden in Höhe von damals 3,4 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen zu können.

Die Muttergesellschaft der MV Werften – Genting Hongkong – verlor damals zwei Drittel ihres Börsenwerts. Die MV Werften flüchteten sich unter den Rettungsschirm der Bundesregierung. Von Darlehen in Höhe von 600 Millionen Euro war die Rede. Vor der Coronakrise war Genting nach den Marktführern Carnival, Royal Caribbean und Norwegian die weltweite Nummer vier der Kreuzfahrtbranche.

fww/dpa
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