Werksschließung Nokias Image so schlecht wie nie

Anderthalb Wochen nach der Ankündigung, das Werk in Bochum zu schließen, ist das Image von Nokia so schlecht wie nie zuvor. Womöglich schlechter als verdient: Einem Zeitungsbericht zufolge soll der Betriebsrat die Probleme wesentlich früher gekannt haben, als er zugibt.


Düsseldorf/Hamburg/Berlin - Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Fabrik soll seit 2004 ein regelmäßig wiederkehrendes Thema bei den Aufsichtsratssitzungen gewesen sein, wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet. In dem Gremium sitzt unter anderem die Betriebsratschefin Gisela Achenbach. Bei den Gesprächen sei es wiederholt um die vergleichsweise hohen Lohnkosten gegangen. Dabei seien auch "unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten" erörtert worden. Achenbach und andere Betriebsratsmitglieder hatten in den vergangenen Tagen immer wieder erklärt, die Schließung des Bochumer Nokia-Werks sei aus ihrer Sicht sehr überraschend erfolgt.

Nokia-Arbeiter vor dem Werk in Bochum: Imagewerte in allen Kategorien im Keller
DDP

Nokia-Arbeiter vor dem Werk in Bochum: Imagewerte in allen Kategorien im Keller

Die Art und Weise, wie Nokia Chart zeigen die Werksschließung den Betroffenen mitgeteilt hat, dürfte entscheidend zum Verfall seines Ansehens beigetragen haben. Nach Umfragen des Kölner Marktforschungsinstituts Psychonomics, liege der Handyhersteller bei allen sieben abgefragten Kategorien im negativen Bereich und damit deutlich hinter seinen Wettbewerbern, berichtet die "Wirtschaftswoche". Der Einbruch der Marke sei "geradezu dramatisch". Vom 15. Januar, dem Tag der Bekanntgabe der Werksschließung, bis zum 23. Januar sank der allgemeine Imagewert demnach von plus 41 auf minus 14 Prozent.

Unter anderem sank die Bereitschaft der Befragten, Nokia weiterzuempfehlen, von plus 48 auf minus 6 Prozent. Das Image Nokias als guter Arbeitgeber brach laut dem Fachblatt von plus 44 auf minus 37 Prozent ein. Auch das Qualitätsempfinden, das zuvor mit 62 Prozent deutlich über dem Wettbewerbern lag, sank auf 5 Prozent und damit noch unter die 6 Prozent des koreanischen Herstellers LG. Befragt wurden laut "Wirtschaftswoche" täglich tausend Bundesbürger.

Den Imageverfall will auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nutzen, um seinen Widerstand gegen die Schließung des Nokia-Werkes zu verstärken. "Wir erleben eine Mobilisierung wie seit langem nicht mehr", sagte der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Guntram Schneider der "Rheinischen Post" zufolge. Er forderte Nokia auf, die Entscheidung zu revidieren. Statt den Standort nach Rumänien zu verlagern, solle der Konzern Wege finden, um die Produktivität des Standorts Bochum zu erhöhen.

Außerdem forderte Schneider striktere Regelungen, um künftige Schließungen zu verhindern. "Ich erwarte, dass das Land NRW eine Bundesratsinitiative einbringt, die die Schließung von Standorten erschweren soll. Für Standortschließungen sollte eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat gesetzlich vorgeschrieben werden." Auch die Kosten für Sozialpläne müssten höher werden, wurde Schneider zitiert. Er gehe zudem davon aus, dass sich Nokia mit dem neuen Standort Rumänien verrechne: "Dort herrscht Vollbeschäftigung. Die Qualifizierten arbeiten fast alle im Ausland."

mik/AP/ddp/AFP



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