Werksschließungen Kanzler ruft Alu-Krisengipfel ein

Noch-Bundeskanzler Gerhard Schröder will Ende der Woche mit Landespolitikern und dem Chef des Aluminiumkonzerns Norsk Hydro verhandeln. Das Ziel: zu sondieren, ob die umstrittene Schließung zweier Aluminium-Werke doch noch abgewendet werden kann.


Berlin - Eingeladen sind die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, Christian Wulff und Jürgen Rüttgers, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (alle CDU) sowie der Vorstandsvorsitzende des norwegischen Konzerns, Eivind Reiten. Es geht um die geplante Schließung der Aluminiumwerke in Hamburg und Stade. Bei dem Treffen soll nach Auswegen gesucht werden, hieß es aus Berlin.

Protest von HAW-Arbeitern: Norsk Hydro will Beschlüsse nicht verhandeln
DPA

Protest von HAW-Arbeitern: Norsk Hydro will Beschlüsse nicht verhandeln

Regierungssprecher Béla Anda warnte vorab davor, zu viel zu erwarten. Norsk Hydro habe die Schließung der Werke als "unwiderruflich" dargestellt. Man wolle aber nun prüfen, ob eine Lösung "im Sinne eines privaten Übernehmens" ermöglicht werden könne. Das werde jedoch nicht leicht, betonte Anda.

Die drei Gesellschafter des Hamburger HAW-Werkes - Norsk Hydro, Alcoa aus den USA und Amag aus Österreich - hatten bereits im Juni die Stilllegung angekündigt und als Begründung zu hohe Strompreise genannt. Die Stromkosten betragen rund 40 Prozent der gesamten Produktionskosten für Aluminium. Nach dem Auslaufen langfristiger Verträge zum Jahreswechsel würden sie sich ungefähr verdoppeln. Allein in der Hansestadt könnten durch die Werksschließung bis Ende dieses Jahres bis zu 450 Arbeitsplätze wegfallen.

Lösung in NRW absehbar

In den vergangenen Monaten hatte es daher intensive Verhandlungen über die Rettung des Werks gegeben. Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatten sich für einen Erhalt stark gemacht. Doch die Gesellschafter unter Führung von Norsk Hydro lehnten im Oktober das letzte Übernahmeangebot des Stahlherstellers Georgsmarienhütte als unannehmbar ab. Damit hatte der Konzern den Zorn nicht nur der Politik, sondern auch des Industrieverbandes und der Handelskammer auf sich gezogen. Die Beweggründe seien nicht nachvollziehbar, hieß es.

Das Werk in Stade, wo rund 450 Menschen beschäftigt sind, soll Ende des kommenden Jahres geschlossen werden. Für den Standort Nordrhein-Westfalen, wo in drei Werken insgesamt rund 5000 Arbeitsplätze von der Aluminiumsparte des Unternehmens abhängen, verhandelt Hydro Aluminium noch mit Lieferanten über die künftigen Bedingungen. Hier soll aber eine Lösung absehbar sein.

Hamburgs Bürgermeister von Beust hofft weiterhin auf ein Einlenken des norwegischen Konzerns. "Ich hoffe, es gelingt, mit neuen Argumenten Norsk Hydro zum Nachdenken zu bewegen", sagte er mit Blick auf das Krisengespräch. Norsk Hydro teilte aber vorab mit, man wolle nicht verhandeln und habe auch kein Mandat der anderen beiden Gesellschafter Alcoa und Amag, um die gültige Beschlusslage nochmals zu verändern

Wolfgang Clement hat seine Kritik an Norsk Hydro heute bekräftigt. Für die Werke Hamburg und Stade hätten noch Lösungen gefunden werden können. "Deshalb ist es gut, dass sich der Bundeskanzler einschaltet", sagte der Noch-Minister.



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