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11. September 2007, 16:26 Uhr

Werksverkauf

Schwäbischer Maschinenbauer greift nach Airbus-Werken

Für die Airbus-Werke in Varel und Nordenham gibt es offenbar eine Vorentscheidung: Laut NDR will der Maschinenbauer Voith die beiden norddeutschen Werke sowie eine Produktionsstätte in Augsburg kaufen. Eine wichtige Rolle soll bei dem Geschäft die Kanzlerin spielen.

Hannover/Nordenham - Nach Angaben des Senders hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Konzernspitze in persönlichen Gesprächen von der Übernahme überzeugt. Airbus soll demnach mit einem kleinen Teil beteiligt bleiben und weiter Namensgeber für die Werke sein. Das Unternehmen selbst erklärte allerdings, es gebe noch keine Vorentscheidung.

Airbus-Werk in Nordenham: Das Management braucht noch Zeit
DDP

Airbus-Werk in Nordenham: Das Management braucht noch Zeit

Laut NDR habe es zwei weitere Bewerber aus den USA und aus Bremen gegeben, die aber nicht zum Zuge kamen. Der baden-württembergische Maschinenbauer Voith beschäftigt rund 30.000 Menschen und hat einen Jahresumsatz von mehr als 3,5 Milliarden Euro.

Im Kontrollgremium des Unternehmens sitzen unter anderem der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, und Manfred Bischoff, der bis April in der Führungsspitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS vertreten war.

Dem Betriebsratsvorsitzenden des Airbus-Werks in Nordenham, Michael Eilers, lagen heute noch keine näheren Informationen zu einem möglichen Werksverkauf vor. "Das Management hat zugesagt, vor einer abschließenden Entscheidung mit den Betriebsräten zu sprechen." Ein solches Gespräch habe bislang nicht stattgefunden. Ein zunächst für diesen Monat geplanter Termin sei abgesagt worden.

"Das Management braucht noch Zeit", sagte Eilers. Er wisse zwar, dass Voith zum Kreis der möglichen Käufer zähle. Zu einzelnen Interessenten wolle er sich aber nicht äußern.

EADS wies den NDR-Bericht dagegen umgehend zurück. Man führe im September mit Bietern zu allen Werken Gespräche, sagte Konzernsprecher Alexander Reinhardt. Anschließend wolle man bevorzugte Bieter aussuchen und eine Vereinbarung über Verkaufsverhandlungen schriftlich fixieren. Erst dann werde man sich "im Frühherbst" an die Öffentlichkeit wenden, erklärte Reinhardt. Ein Sprecher von Voith lehnte jeden Kommentar ab.

Der Augsburger IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Kerner sagte, das Management habe gegenüber den Arbeitnehmervertretern eine Entscheidung für Mitte Oktober in Aussicht gestellt. Die zuständigen Gremien müssten eigentlich informiert werden, wenn eine Entscheidung gefallen wäre. Die Termine seien aber nach hinten verschoben worden.

wal/ddp/AP

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