WestLB Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Marktmanipulation

Wegen millionenschwerer Fehlspekulationen und möglicher Regelverstöße bei der WestLB wird nun auch strafrechtlich ermittelt. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will jetzt untersuchen, ob zwei Ex-Mitarbeiter tatsächlich in großen Stil Kurse manipulierten.


Düsseldorf - Es habe erste Gespräche mit der Handelsüberwachungsstelle der Frankfurter Börse, der Bankenaufsicht BaFin und der WestLB gegeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa. Die Beschuldigten seien noch nicht vernommen worden. Die Ermittlungen befänden sich in einem sehr frühen Stadium.

WestLB-Zentrale in Düsseldorf: FDP will Landesbank schnell loswerden
AP

WestLB-Zentrale in Düsseldorf: FDP will Landesbank schnell loswerden

Die Düsseldorfer Bank hatte beide Mitarbeiter nach verlustträchtigen Aktiengeschäften fristlos entlassen und Strafanzeige gegen sie sowie unbekannte Dritte erstattet. Die BaFin leitete bereits eine Sonderprüfung bei der WestLB wegen des Verdachts der Kursmanipulation ein. Die entlassenen Mitarbeiter der WestLB sollen jahrelang die Schlusskurse der Vorzugsaktien von METRO, BMW und VW manipuliert haben.

Das System soll aufgeflogen sein, als sich die WestLB-Händler in großem Stil bei VW-Vorzugsaktien verspekulierten. Dabei ist teilweise von einem Buchverlust zwischen 100 und 300 Millionen Euro die Rede. Von der WestLB hieß es, zu den wirtschaftlichen Auswirkungen könnten derzeit keine Aussagen gemacht werden. Die Bank hatte beide Mitarbeiter nach den verlustträchtigen Aktiengeschäften fristlos entlassen und Strafanzeige gegen sie erstattet.

Die Düsseldorfer Landesbank versprach nun, die Compliance-Funktionen der Bank gezielt zu stärken. Damit wolle die WestLB auch die laufenden Ermittlungen von BaFin, Staatsanwaltschaft und eigener Task Force vorantreiben, hieß es. Zusätzlich beabsichtigt die Bank den Angaben zufolge die Bestellung eines Compliance Council, besetzt mit führenden externen Rechtsexperten. Der Rat soll die WestLB künftig in wesentlichen Fragen des Kapitalmarktrechts unterstützen.

Angesichts der aktuellen Vorgänge dringt die FDP auf eine zügige Privatisierung der Bank. "Es kann nicht Aufgabe des Landes sein, eine privatwirtschaftlich und international tätige Bank zu begleiten", sagte der nordrhein-westfälischen Vize-Regierungschef Andreas Pinkwart (FDP). Er sehe weder den Sanierungserfolg noch die "sehr günstigen Veräußerungsbedingungen" gefährdet. Die Landesanteile an der WestLB müssten so schnell und so ertragreich wie möglich verkauft werden - in jedem Fall innerhalb dieser Legislaturperiode. NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) hatte dagegen erst vor vier Wochen erklärt, beim möglichen Verkauf der Landesanteile an der WestLB habe die CDU/FDP-Landesregierung keine Eile. Das Land hält direkt und indirekt knapp 38 Prozent.

Der Haushalts- und Finanzausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags erörtert an diesem Donnerstag die Vorgänge. Außerdem wird sich der Aufsichtsrat der WestLB AG in einer außerordentlichen Sitzung in der kommenden Woche mit dem Fall beschäftigen.

ase/dpa/Dow Jones



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