Wettbewerb Brüssel verbietet Fusion von Ryanair und Aer Lingus

Ihre Bedenken gegen die Übernahme der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus durch Europas führenden Billigflieger Ryanair hatte die EU-Kommission bereits angedeutet. Heute kam das Veto schriftlich. Ryanair-Chef Michael O'Leary will das allerdings nicht hinnehmen.


Brüssel - Es drohe eine Übermacht des neuen Verbundes auf den Strecken von und nach Dublin, hieß es in der Begründung der Kommission in Brüssel nach der siebenmonatigen Wettbewerbsprüfung. Eine Fusion der beiden Unternehmen würde den Wettbewerb am Flughafen in Dublin zum Erliegen bringen und ein Monopol des fusionierten Unternehmens auf 35 Flugstrecken schaffen.

Ryanair-Maschine auf dem Flughafen Frankfurt - Hahn: O'Leary kündigt Klage an
DDP

Ryanair-Maschine auf dem Flughafen Frankfurt - Hahn: O'Leary kündigt Klage an

Die Übernahme hätte die beiden führenden Fluggesellschaften Irlands vereinigt, schrieb die Kommission. Sie befürchte Nachteile und höhere Preise für die über 14 Millionen Flugpassagiere, die jedes Jahr von und nach Irland fliegen. Die angebotenen Konzessionen von Ryanair an die EU-Wettbewerbshüter reichten nicht aus.

O'Leary hatte mit dem negativen Bescheid gerechnet. Gestern, noch vor der Veröffentlichung der Entscheidung, hatte er kritisiert, für ein Veto Brüssels gebe es keine Rechtfertigung. In den vergangenen Monaten hatte der Ryanair-Chef wiederholt mit einer Klage beim EU-Gericht gedroht, falls die EU-Kommission den Zusammenschluss blockieren sollte. O'Leary kündigte auch an, sein Unternehmen werde sich wehren, falls die Kommission einen Verkauf des 25-prozentigen Anteils an Aer Lingus fordert, der sich im Besitz des Billigfliegers befindet, sagte er. Eine EU-Entscheidung dazu steht noch aus.

Die Kommission untersuchte in der Luftverkehrsbranche erstmals einen Zusammenschluss von Airlines, die denselben Heimatflughafen - in dem Fall Dublin - anfliegen. In den vergangenen Jahren hatten Zusammenschlüsse von großen Fluglinien in Brüssel wie etwa Air France/KLM oder Lufthansa/Swiss keine großen Wettbewerbsprobleme bereitet.

Ryanair hatte im vergangenen Jahr überraschend ein Übernahmeangebot mit einem Volumen von 1,48 Milliarden Euro für Aer Lingus vorgelegt, war damit aber auf erbitterten Widerstand bei Management, Aktionären und Mitarbeitern gestoßen. Das Angebot lief im Dezember aus, nachdem die Behörden detaillierte Ermittlungen angekündigt hatten.

mik/Reuters/dpa



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