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MANAGER Wie geputzt wird

Der Nürnberger Photo-Unternehmer Porst, bereits zweimal am Rand der Pleite, nimmt die gesellschaftspolitischen Modellspiele mit seiner Firmengruppe wieder auf.
aus DER SPIEGEL 52/1977

Noch im Sommer hatte Photohändler Hannsheinz Porst, weil er sich Ende 1978 zur Ruhe setzen will, seinen selbstverständlichen Nachfolger gesehen. Gustav Kampmann, Finanzvorstand der Firmengruppe. sollte die Firma nach Porsts Ausscheiden führen. Nun aber mag er den Gustav Kampmann plötzlich nicht mehr sehen.

Zum Streit gekommen war es zwischen den beiden Porst-Vormännern über die sogenannte »Porst-Führungstechnik": Wer sein antiautoritäres Management nicht bejahe, so hatte Prinzipal Hannsheinz dekretiert, »hat aus dem Unternehmen auszuscheiden« Kampmann bejahte nicht und reichte vergangenen Donnerstag den Abschied ein -- nach vierzehn Jahren bei Porst.

Dabei hatte der Beirat. Aufsichtsorgan des Porst- »Mitarbeiterunternehmens« und zuständig auch für die Berufung von Führungskräften, ursprünglich voll hinter Kampmann gestanden, denn Porst selber hatte ihn vorgeschlagen.

Zum Bruch war es erst gekommen, als der Photo-»Millionär und Marxist« (Porst über Porst) sich wenig später des sehr menschenfreundlichen Auftrags seiner »Betriebsverfassung« vom Oktober 1972 erinnerte. Darin nämlich heißt es, die Mitarbeiter sollten »ihre Persönlichkeit soweit wie möglich frei von Zwängen und Abhängigkeiten entfalten«. Und »Starmanager«, erkannte Porst rasch. »Privilegierte« gar seien solcher Entfaltung eher hinderlich.

Anstelle einsamer Entschlüsse irgendwelcher Autokraten an der Unternehmensspitze müsse nun schleunigst die »gruppenintensive direkte Mitwirkung« aller 1560 Porst-Bediensteten treten; Mitarbeiter-Kollektive sollen in sämtlichen Sach- und Personalfragen nicht mehr bloß mitreden dürfen, sondern auch entscheiden.

Solche »Selbstbestimmung«. hielt indes Gustav Kampmann dagegen, scheine ihm wenig praktikabel, ja ganz und gar »unausgegoren«. Deshalb drohte auch der Beirat, der laut Porst-Betriebsverfassung »die Geschäftsführung zu überwachen hat«, Porsts Aufschwung »hin zu einer neuen sozialen Weltordnung« vorzeitig zu beenden. Der Beirat wußte: Immer wenn es der Porst-Gruppe einmal gutging, machte Hannsheinz Porst gesellschaftspolitische Experimente.

Hartnäckig beharrte Gründersohn Porst auch jetzt wieder auf seinem neuesten »Porst-Modell« und predigte darüber allenthalben in Belegschaftsversammlungen. Wer dagegen sei, verkündete er, tue dies »entweder aus mangelnder Intelligenz oder aber aus egoistischen Beweggründen wider besseres Wissen«.

Da wurde dem Beirat der Trubel denn doch zu bunt. Binnen dreier Tage. so forderten die Porst-Überwacher ultimativ, habe Porsts zerstrittene Führungsmannschaft »eine Verständigung zu suchen«, sonst setze es »personelle Konsequenzen mit dem Ziel, erforderlichenfalls Geschäftsführer abzulösen, die die Probleme verursacht haben und die Zusammenarbeit gefährdet erscheinen lassen«.

Damit hatten die Beiratsmitglieder für die gehörige Scharfeinstellung gesorgt, im Sucher Hannsheinz Porst. Der aber drehte das Ganze um und drückte rasch selbst auf den Auslöser: Der Beirat hatte nun die personellen Konsequenzen zu tragen, nicht Porst.

Hilfreich war dabei, daß neben jenen Beiräten, die von der Belegschaft und der Gewerkschaft delegiert werden, auch Abgesandte des Erben in das Aufsichtsgremium einzogen: Die Hannsheinz Porst KG hält knapp ein Viertel des Eigenkapitals des Mitarbeiterunternehmens. Mit diesem Anteil sorgte die Porst-Firma dafür, daß Udo Knop vom Vorstand der Bank für Gemeinwirtschaft und Professor Ekkehard Schumann aus Regensburg, Porsts Verteidiger im Landesverrats-Prozeß vor acht Jahren, in den Beirat einzogen; Knop als Beirats-Vorsitzender.

Auch diese beiden hatten im Rat Porsts Rücktritt gefordert. Jetzt entzog er ihnen fristlos das Mandat und ersetzte sie durch unvoreingenommenere Leute: Ober Porsts Geschäfte wachen künftig Porst-Gattin Luise und Porst-Sohn Matthias.

»Das war der letzte Versuch, einen Putsch zu machen«, freut sich Hannsheinz Porst, nachdem er sich Kampmanns und der Beiräte entledigt hatte. Ähnlich autokratisch hatte Mitbestimmer Porst vorher schon andere aus dem Hause gejagt, die er für zu stark hielt. Erstes Opfer war 1973 der Firmen-Sanierer Dieter Reiber gewesen.

Reiber hatte die maroden Porst-Unternehmen damals wieder hoch und über die Runden gebracht, als sich Porst selber erst in Steuer- und dann in Ost-West-Affären verfing. Porst über Reiber: »Uneingeschränktes Lob.« Auch Reiber aber mußte, als es Porst und dem Betrieb wieder besser ging, an Porsts Idee von der Kollektivführung scheitern. Als nächster ging, aus dem gleichen Grund, Porst-Vize Heinz Wohlrab, der vordem zusammen mit Porst und Reiber noch »das Team des Jahrhunderts« (Porst) gebildet hatte.

Lieber hätten die Beiräte schon damals auf Porst selber verzichtet. Doch damals haftete Hannsheinz Porst seinen Gläubigern noch mit dem gesamten Privatvermögen, darunter rund 500 Wohnungen.

Porsts »gezielte Personalpolitik«, mit der alle »reaktionären Kräfte« ausgekehrt würden, fand bald ihren Niederschlag in den Zahlen: 1974 ordnete die Hausbank den Verkauf der Porst-Betriebe oder die Hereinnahme kapitalkräftiger Partner an. Doch kein Interessent mochte sich engagieren. Da sorgte Finanzmanager Kampmann mit Teilverkäufen und straffer Kostenrechnung dafür, daß wenigstens die Zahlen wieder stimmten. Kampmann heute: »Uns geht es gut, wir sind ungefährdet, wenn wir nicht spinnen.«

Das findet nun auch Hannsheinz Porst und hält eben deshalb die Firma endlich reif fürs Kollektiv. Mit Eifer proklamiert Porst bereits die »Selbstbestimmung« auch für Putzfrauen: »Ja, das wollen wir. Sie allein sollen entscheiden, was und wie geputzt wird.«

Und zuvor natürlich, ob überhaupt. Bis beim neuen Porst-Modell etwa über eine Erhöhung des Essensgeldes kollektiv entschieden sei, schaudert Kampmann, gäbe es inzwischen wohl keine Kantine mehr. Kampmann: »Wir werden Schwierigkeiten kriegen, wenn das so fanatisch betrieben wird.«

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