Milliardengeschäft So kommt illegales Tropenholz nach Deutschland
Wenge-Stämme in Gütersloh: Markiert mit den Firmennamen BBC und BAM
Foto: GreenpeaceHamburg - Tischler lieben Wenge. Das kaffeebraune bis schwarze Holz sieht edel aus, lässt sich gut verarbeiten und ist extrem wetterfest. Weil es so schön kontrastreich gemasert ist, wird Wenge gerne zu Furnier verarbeitet. Der einzige Haken: Es wächst in der Demokratischen Republik Kongo, die nicht gerade dafür bekannt ist, sich besonders stark für den Umweltschutz zu engagieren.
Hunderte Kubikmeter offenbar illegal in dem Land geschlagenes Wenge-Holz landeten Ende April im Hafen von Antwerpen. Greenpeace hatte den Weg des Holzes bis nach Belgien verfolgt und Teile davon in Tschechien und Deutschland entdeckt. Der Fall könnte zeigen, ob die neue EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) greift, die es seit März dieses Jahres verbietet, Holz aus illegalem Einschlag in den Verkehr zu bringen.
Die Tropenholzstämme sind Gold wert, im Handel sind enorme Gewinnspannen möglich. Uno und Interpol bezifferten den Wert von illegal geschlagenem Holz in einer Studie auf bis zu 100 Milliarden Dollar pro Jahr. Bis zu 30 Prozent des weltweit gehandelten Holzes ist demnach ohne oder mit gefälschter oder erschwindelter Lizenz gefällt worden - in den Tropenholzregionen im Amazonas, in Asien und Afrika sogar bis zu 90 Prozent.
Bisher konnten international agierende Händler relativ sicher sein, ihr Holz ohne Sorge vor strafrechtlicher Verfolgung verkaufen zu können, auch wenn sie die Urwaldbäume illegal gefällt hatten. Vor allem in der Demokratischen Republik Kongo werden solche Firmen offenbar fündig, jedenfalls legen das Berichte von Greenpeace und der unabhängigen EU-finanzierten Organisation REM nahe, die vor Ort recherchiert haben: die Holzbranche sei "in einem Zustand organisierten Chaos'" schreibt Greenpeace.
Ein Unternehmen taucht in den Berichten immer wieder auf: die Bakri Bois Corporation (BBC). Die Firma nutzt den Berichten zufolge unter anderem sogenannte "Artisanal Logging Permits", handwerkliche Einschlaggenehmigungen, die nicht für industrielle Holzfirmen gedacht sind. In einem Land, das laut Transparency International eines der korruptesten der Welt ist, dürfte es für BBC nicht allzu schwierig gewesen sein, die Konzessionen zu erhalten.
Greenpeace wollte wissen, ob die neue EU-Holzhandelsverordnung etwas verändert und verfolgte eine Ladung von BBC auf dem Frachter MS "Chopin" bis in den Hafen von Antwerpen . Das Holz wurde von der Schweizer Familienfirma Bois d'Afrique Mondial (BAM) gekauft, die seit Jahrzehnten mit afrikanischem Holz handelt.
Laut Gesetz ist jeder Marktteilnehmer, also Händler und Käufer, dazu verpflichtet, die "gebotene Sorgfalt" walten zu lassen. Wie so häufig in Europa steckt auch hier der Teufel im Detail: Es sind immer die Behörden zuständig, in deren Land das Unternehmen, welches mit dem Holz handelt, seinen Sitz hat. Besonders verzwickt wird es bei der Ladung der MS "Chopin", weil BAM seinen Sitz in Luzern hat - die Schweiz ist aber kein Mitgliedsstaat der EU und hat auch kein Gesetz, das dem EUTR entsprechen würde.
Greenpeace entdeckte einen Teil der Lieferung in einem Sägewerk in Gütersloh und zeigte den Fund bei der zuständigen Kontrollbehörde , der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) an. Die wurde auch von den belgischen Behörden informiert, allerdings erst Monate nachdem die MS "Chopin" in Antwerpen angelegt hatte. Auf Anfrage heißt es bei der BLE, man gehe der Sache nach.
Die Behörde muss sich selbst erst in die neue Rolle einfinden: "Rund ein Dutzend" Prüfer hat die Behörde laut eigener Aussage für die Holzkontrolle "vorbereitet", in diesem Jahr solle "jeder zehnte Marktteilnehmer überprüft werden". Dabei weiß das BLE noch nicht einmal, welche Unternehmen in Deutschland mit entsprechendem Holz handeln und wie viele es sind, geschätzt seien es rund 1200 - die Meldepflicht läuft erst im November 2013 aus.
Im aktuellen Fall war es unter anderem die Firma Holz-Schnettler Soest (HSS), die das Holz in Antwerpen gekauft und beim Sägewerk in Gütersloh verarbeiten lassen hat. HSS zeigt sich von der SPIEGEL-ONLINE-Anfrage überrascht: Die Ladung sei von den belgischen Behörden freigegeben worden, man habe alle Dokumente geprüft, inklusive einer umfangreichen Dokumentation der Fällarbeiten, teilte die Firma mit, die seit fast 100 Jahren mit Holz handelt. Hätte man Hinweise auf illegalen Einschlag gefunden, hätte man das Holz selbstverständlich nicht gekauft. Mittlerweile sei die Lieferung an den Kunden übergeben und vermutlich bereits verarbeitet worden.
Wirkungsloses Gesetz
Zwar laufen die Ermittlungen noch - laut BLE sind mehrere Lieferungen an deutsche Unternehmen gegangen -, und auch in dem aktuellen Fall kann sich noch herausstellen, dass das Holz legal gefällt wurde, aber es sieht so aus, als würde das passieren, was Greenpeace befürchtet: Die EU-Holzhandelsverordnung entfaltet keine nachhaltige Wirkung. Das Holz aus der Demokratischen Republik Kongo ist aller Wahrscheinlichkeit nach illegal geschlagen worden, aber weder die kongolesische Firma BBC noch die Schweizer BAM oder der deutsche Händler HSS werden voraussichtlich dafür belangt.
Dass einer Firma in Deutschland empfindliche Strafen drohen, ist zudem längst nicht sicher: Kurz bevor der Bundestag laut EU-Vorgabe ein deutsches Holzhandelssicherungsgesetz beschließen sollte, hat die schwarz-gelbe Bundesregierung die Regelung mit einem Änderungsantrag entschärft: Der Handel mit illegal geschlagenem Holz wird nicht als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit geahndet. Im schlimmsten Fall droht also eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro - Kleingeld im Vergleich zu den möglichen Gewinnspannen.