Verdacht auf Marktmanipulation Ex-Porsche-Chef Wiedeking muss vor Gericht

Ex-Porsche-Chef Wiedeking und sein früherer Finanzvorstand Härter müssen sich vor Gericht verantworten. Die Manager geben sich zuversichtlich.
Ex-Porsche-Chef Wiedeking (Archivbild): Vorwürfe "ausnahmslos unberechtigt"

Ex-Porsche-Chef Wiedeking (Archivbild): Vorwürfe "ausnahmslos unberechtigt"

Foto: Uwe Anspach/ picture alliance / dpa

Stuttgart - Die gescheiterte Übernahme des Volkswagen-Konzerns durch Porsche wird nun doch juristisch ausgefochten. Der erste Strafsenat des Stuttgarter Oberlandesgerichts (OLG) habe die Anklage gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen ehemaligen Finanzvorstand Holger Härter zur Hauptverhandlung zugelassen, teilte das Gericht mit.

Die Richter machten demnach "eine Vielzahl von Indizien" aus, die für oder auch gegen Wiedeking und Härter sprechen könnten. Das Hauptverfahren solle vor der 13. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts stattfinden.

Die Richter hoben damit eine Entscheidung des Stuttgarter Landgerichts vom April auf, das die Eröffnung eines Hauptverfahrens abgelehnt hatte. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte im Mai Beschwerde gegen die Entscheidung des Landgerichts eingelegt.

Bis zu fünf Jahre Haft

Die Manager ließen über ihre Anwälte mitteilen, sie seien "zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe in der Hauptverhandlung als ausnahmslos unberechtigt erweisen werden". Bei einer Verurteilung drohen ihnen eine Geldstrafe oder sogar bis zu fünf Jahre Haft.

Die Ankläger hatten die beiden einstigen Vorstände Wiedeking und Härter nach langen Ermittlungen im Dezember 2012 wegen "informationsgestützter Marktmanipulation" angeklagt. Sie werfen ihnen vor, zwischen Frühling und Herbst 2008 mehrfach falsche Angaben über ihre Pläne zur VW-Übernahme gemacht zu haben.

Bis zum Oktober 2008 habe Porsche, so der Vorwurf, stets abgestritten, 75 Prozent der VW-Stammaktien   erwerben zu wollen. Tatsächlich sei dieser Plan aber heimlich schon verfolgt worden. Das habe den Börsenkurs der Volkswagen Stammaktien beeinflusst und Anleger zum Verkauf von Aktien und zu Leerverkäufen veranlasst.

Schadensersatzklagen von Hedgefonds und anderen Investoren haben die Landgerichte Braunschweig und Stuttgart zum Teil bereits abgewiesen. Weitere Zivilverfahren laufen noch. Der frühere Porsche-Finanzvorstand Härter wurde bereits wegen Kreditbetrugs zu einer Geldstrafe von 630.000 Euro verurteilt.

Seit Februar 2013 ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem gegen mehrere Aufsichtsratsmitglieder der Porsche SE, darunter die Porsche-Großaktionäre Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche, wegen Beihilfe zur Marktmanipulation. Ob auch hier Anklage erhoben wird, hängt vom Ausgang der Verfahren gegen Härter und Wiedeking ab.

Wiedeking baut fünf Jahre nach der gescheiterten Übernahme von Volkswagen derweil eine italienische Restaurantkette auf. Doch die bisherigen Gäste sind nicht gerade begeistert von den Gastro-Tempeln des früheren Porsche-Chefs.

bos/AFP/Reuters