Wiederaufbau-Gelder US-Finanzexperte gesteht Millionenuntreue im Irak

Ein ehemaliger Mitarbeiter der US-Verwaltung im Irak hat gestanden, mindestens zwei Millionen Dollar veruntreut zu haben. Die Summe war eigentlich für den Wiederaufbau des Landes bestimmt. Zu seinen Komplizen sollen auch Offiziere der US Army gehört haben.


Washington - Robert J. Stein Junior war bereits wegen Betruges in einen Fall vorbestraft - dennoch bekam der heute 50-jährige Mann aus dem US-Bundesstaat North Carolina nach dem Irak-Krieg einen Job in der Übergangsverwaltung CPA. Dort verfügte er über den Einsatz von über 82 Millionen Dollar an Wiederaufbaugeldern. Gestern hat er zugegeben, gemeinsam mit Komplizen mindestens zwei Millionen Dollar veruntreut zu haben.

Vor einem Bundesgericht in Washington bekannte sich der Finanzexperte zudem der Bestechlichkeit für schuldig. Bei einer Verurteilung drohen Stein bis zu 30 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 250.000 Dollar.

Ein Unternehmer habe ihm und anderen Amtsträgern für die Vergabe lukrativer Aufträge mehr als eine Million Dollar zugeschanzt, sagte er aus. Dafür seien die Ausschreibungen manipuliert worden. Zu den Komplizen zählten laut Geständnis auch mehrere Offiziere des US-Heeres. Sie hätten zum Beispiel Geld, Autos oder Schmuck erhalten.

"Sexuelle Gefälligkeiten" als Bestechungsmittel

Laut "New York Times" hat Stein einen Teil des veruntreuten Geldes benutzt, um sich Granatenwerfer und Maschinengewehre zu kaufen. Er soll es aber auch für ein Oberklasseauto, ein Kleinflugzeug und Immobilieninvestments verwendet haben, so das Blatt.

Die "Times" schreibt weiter, der beteiligte Unternehmer habe in Bagdad eine Villa unterhalten, in der er mehrere Prostituierte beschäftigte. Dorthin habe er Beamte eingeladen, die er für sich gewinnen wollte.

Die CPA wurde nach dem Einmarsch der US-geführten Truppen im Irak gegründet und von dem US-Diplomaten Paul Bremer geleitet. Die USA lösten sie im Juni 2004 auf, als die Vereinigten Staaten offiziell die Souveränität an den Irak zurück übertrugen.

itz/rtr



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.