Wegen Oktoberfest-Ausfall Wiesn-Wirte verklagen Versicherung

Jahr für Jahr haben Oktoberfestwirte hohe Summen für eine Ausfallversicherung bezahlt – doch als die Wiesn tatsächlich wegen Corona abgesagt wurde, bekamen sie nichts erstattet. Nun landet ihr Fall vor Gericht.
Symbolbild

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Foto: Peter Kneffel / dpa

Sieben Wiesn-Wirte verklagen ihre Versicherung auf Zahlung ihrer Kosten für das wegen der Corona-Pandemie abgesagte Oktoberfest. Die ersten Klagen seien unterwegs zum Landgericht München I, teilten die Wirte am Dienstag mit. Insgesamt geht es um einen Millionenbetrag.

»Die Klagesumme liegt pro Zelt im Schnitt im mittleren sechsstelligen Bereich«, sagte Sebastian Kuffler vom Weinzelt. Die Ausgaben für die Wiesn summierten sich aus Mieten über Personal-, Büro- und Lagerkosten – und den teuren Versicherungsprämien. Die von der Versicherung verlangten Prämien hätten jährlich bei 20.000 bis 60.000 Euro gelegen, sagte Kuffler. »Über Jahre haben wir enorm hohe Prämien gezahlt, und dann sollen wir auf den Ausfallkosten sitzen bleiben. Das kann nicht sein, deshalb gehen wir vor Gericht.« Seit September habe man versucht, die Ausfälle ersetzt zu bekommen, in den Verhandlungen sei aber keine gütliche Einigung erreicht worden.

Das Landgericht München I bestätigte den Eingang von Klagen gegen die Deutsche Sport und Entertainment Versicherungsgemeinschaft (DSE) zunächst nicht – üblicherweise geschieht dies erst, nachdem Klagen den Beklagten zugestellt sind. Bei der Versicherung hieß es dazu am Dienstag, zu laufenden Verfahren gebe es aus Datenschutzgründen und zum Schutz der Kunden keine Auskunft.

Die Wut der Wirte

Hinter dem Verfahren steht ein größeres Problem: Rund 73.000 Gastronomen besitzen in Deutschland eine Betriebsschließungsversicherung. Sie hatten daher gehofft, in der Coronakrise einen Teil ihres finanziellen Schadens ersetzt zu bekommen. Doch während sich einige Anbieter zu Beginn der Krise noch zahlungswillig zeigten, weisen die meisten inzwischen alle Ansprüche zurück.

Zahlreiche Wirte prozessieren deshalb. Im Oktober gab es bereits ein Urteil, das vielen Gastronomen Hoffnung gemacht hat: Das Gericht urteilte, die Versicherungskammer Bayern müsse einen Münchner Biergartenbetreiber mit einer Millionensumme für die staatlich verordnete Schließung seines Lokals in der Coronakrise entschädigen. Das Landgericht München verurteilte den öffentlichen Versicherer zur Zahlung von 1,01 Millionen Euro, weil Christian Vogler seinen Augustiner Keller – einen der größten Biergärten in der bayerischen Metropole – im Frühjahr wochenlang schließen musste.

Die Versicherungskammer könne sich nicht darauf berufen, dass die Corona-Pandemie nicht mitversichert gewesen sei, zumal Vogler den Vertrag erst Anfang März, also wenige Wochen vor den Zwangsschließungen, abgeschlossen hatte, entschied die Richterin. Die Versicherungsbedingungen seien intransparent.

beb/dpa
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