Minus beim Ausbau im ersten Quartal Deutschland errichtet deutlich weniger Windräder

Der Ausbau der Windkraft ist durch den Krieg in der Ukraine noch dringender geworden. Schon lange ist das Tempo jedoch gering – und hat sich zu Beginn des Jahres noch einmal abgeschwächt.
Windkraftanlagen in Göllheim (Rheinland-Pfalz): Gerade im Süden Deutschlands ein eher seltener Anblick

Windkraftanlagen in Göllheim (Rheinland-Pfalz): Gerade im Süden Deutschlands ein eher seltener Anblick

Foto: Boris Roessler / dpa

Weg von den fossilen Energieträgern Öl, Gas und Kohle, hin zu erneuerbaren Energien, die Finanzminister Christian Lindner (FDP) im Kontext des russischen Angriffskriegs in der Ukraine als »Freiheitsenergien« bezeichnete: Diese Verschiebung verliert zumindest in Bezug auf die Windkraft an Land in Deutschland immer mehr an Schwung. Wie der Bundesverband Windenergie mitteilte, gingen im ersten Quartal 99 Windräder mit einer Leistung von insgesamt 407 Megawatt neu ans Netz – 23 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Weil auch alte Anlagen stillgelegt wurden, lag der Nettozuwachs bei der installierten Leistung bei 355 Megawatt, hieß es unter Berufung auf Zahlen der Fachagentur Windenergie . Spitzenreiter waren Nordrhein-Westfalen mit 26 neuen Windrädern und Schleswig-Holstein mit 25. Im flächenmäßig größten Land Bayern, das die bundesweit strengsten Regeln zum Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung hat, ging überhaupt kein neues Windrad ans Netz.

Bereits Mitte April hieß es unter Berufung auf vorläufige Zahlen, dass der Ausbau der Windkraft an Land in den ersten drei Monaten ins Stottern gekommen war. Die Branche fordert nun einen »Beschleunigungsturbo«.

Bestehende, pauschale Abstandsregelungen müssten abgeräumt werden, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers. Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger im direkten Umfeld von Windenergieanlagen sei bereits durch umfangreiche Regelungen im Bundesimmissionsschutzgesetz gegeben.

Unter anderem in Bayern kommt der Ausbau der Windenergie deshalb bislang nur sehr schleppend voran – beziehungsweise in den ersten drei Monaten dieses Jahres gar nicht. In dem Bundesland gilt die umstrittene 10H-Abstandsregel für Windräder. Sie sieht bisher den zehnfachen Abstand der Windradhöhe zur nächsten Bebauung vor. Die Landesregierung hat Ende April angekündigt, die Regel solle punktuell aufgeweicht werden.

Die Bundesregierung will den Ausbau der erneuerbaren Energien mit einem umfassenden Maßnahmenpaket beschleunigen. So will Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) erreichen, dass künftig zwei Prozent der Landesfläche in Deutschland für Windenergie ausgewiesen werden. Das wird bisher in den allermeisten Ländern bei Weitem nicht erreicht.

fdi/dpa