Einigung in der Bundesregierung Windräder dürfen künftig näher an Radaranlagen gebaut werden

Abstandsregeln bremsen bislang den Ausbau der Windenergie. Nun lockert die Bundesregierung die Vorgaben im Umfeld von Radaranlagen. Wirtschaftsminister Habeck spricht von einem »fetten Ausrufezeichen«.
Für Windräder können künftig neue Bereiche erschlossen werden

Für Windräder können künftig neue Bereiche erschlossen werden

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Für die Windkraft stehen in Deutschland künftig deutlich mehr Flächen zur Verfügung. Wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mitteilten, gibt es eine Einigung zur besseren Vereinbarkeit von Windenergienutzung an Land mit der Funknavigation für die Luftfahrt und mit Wetterradaranlagen. Damit ist künftig ein geringerer Abstand von Windrädern zu sogenannten Drehfunkfeuern und auch zu Wetterradaren möglich.

Die Einigung sieht konkret vor, dass bei der Funknavigation die sogenannten Anlagenschutzbereiche verkleinert werden – von einem derzeitigen Radius von 15 Kilometern auf fünf bis sieben Kilometer zu Windenergieanlagen. Bei den 17 Wetterradaren, die vom Deutschen Wetterdienst betrieben werden, sollen die Abstände von 15 auf fünf Kilometer verkleinert werden.

»Mithilfe neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse können wir künftig geringere Abstände im Umfeld von rund 40 Drehfunkfeuern, die zur sicheren Navigation von Luftfahrzeugen dienen, zulassen«, sagte Wissing. »Gleiches gilt für die Areale rund um 17 Wetterradaren, die unter anderem zur Vorhersage von Starkregenereignissen dienen.« Damit habe nun ein »erhebliches Hindernis« beim Windkraftausbau an Land aus dem Weg geräumt werden können.

Habeck sprach von einem zusätzlichen Potenzial von fünf Gigawatt Windenergie. Das entspreche mehr als 1000 neuen Anlagen und sei ein »fettes Ausrufezeichen«. Wissing sprach von einem »echten Fortschritt« in der seit Langem schwelenden Auseinandersetzung über die Flächenpotenziale für Windkraft .

Windkraft als Schlüssel

Ende vergangenen Jahres waren auf dem deutschen Festland rund 28.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 56 Gigawatt installiert. Der schnellere Ausbau der Windkraft an Land spielt eine Schlüsselrolle für die Bundesregierung, um Klimaschutzziele zu erreichen – und auch, um weniger abhängig von Gas, Öl und Kohle aus Russland zu werden. Dazu werden mehr Flächen benötigt. Das Problem: Deutschland hat bislang vergleichsweise strenge Regeln, was den Standort betrifft.

An diesem Mittwoch will das Bundeskabinett weitere Maßnahmen zum Ausbau der erneuerbaren Energie in einem »Osterpaket« auf den Weg bringen. Habeck hatte bereits im Januar angekündigt, kurzfristig Flächen für die Windkraft an Land erschließen zu wollen, indem Abstände zu Drehfunkfeuern und Wetterradaren verringert werden.

hba/AFP/dpa