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Wintergarten zum Nulltarif

Wie der Lopez-Vertraute Garcia Sanz auf Kosten des Baukonzerns Hochtief sein Haus renovierte.
aus DER SPIEGEL 8/1997

Es war ein recht unscheinbares Haus, das Francisco Garcia Sanz in der Schwedenstraße 17 in Rüsselsheim erwarb: ein zweigeschossiger Bau mit Spitzdach. Erst später stellte sich heraus, daß es ein höchst renovierungsbedürftiges Domizil war.

Ein gewöhnlicher Hauskäufer hätte sich ärgern müssen. Doch Sanz war Einkaufsmanager bei Opel. Er fand einen Weg, seinem bescheiden wirkenden Anwesen neuen Glanz zu verschaffen. Sanz beauftragte 1990 den Opel-Lieferanten Hochtief mit aufwendigsten Umbauarbeiten.

Das Haus wurde entkernt, umgebaut und erweitert. Die Männer von Hochtief schlugen alte Balkone ab, erstellten eine neue Haustüröffnung, sicherten die Fassade mit Stützträgern, damit sie noch einen großzügigen Wintergarten anbauen konnten. Sie erneuerten Abwasserkanäle und -schächte, isolierten Außenwände und bauten eine neue Terrasse.

Ein gewöhnlicher Hausbesitzer hätte insgesamt 383 000 Mark bezahlt. Doch Sanz erging es wie dem Brillenkäufer in der Fernsehwerbung: Er mußte keine Mark zuzahlen.

Eine kleine Affäre eines kleinen Automobilmanagers - könnte man meinen. Doch Sanz, inzwischen Einkaufsvorstand der Marke Volkswagen, kann der kostenlose Umbau jetzt noch teuer zu stehen kommen.

Auf die Spur von Sanz war die Kripo Rüsselsheim gestoßen. Die Soko »Gartenhäuschen« ermittelte in einer Bestechungsaffäre bei Opel. Sie prüfte, welche Opel-Manager von Hochtief ihre Privathäuser renovieren oder umbauen ließen und dafür zum Teil nichts bezahlt haben. Hochtief soll sich das Geld dann auf eine besonders raffinierte Weise beschafft haben: Der Baukonzern habe sich im Gegenzug die betreffenden Beträge über Scheinrechnungen von Opel bezahlen lassen.

In der Folge dieser Affäre trat bereits Opel-Vorstand Peter Enderle zurück, obwohl ihm nichts Ehrenrühriges nachgewiesen wurde. Zudem gaben die Opel-Aufsichtsratsmitglieder Friedrich Lohr und Ferdinand Beickler ihre Positionen auf.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelte auch gegen Sanz wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung, des Betrugs und der Untreue. Sie ließ sein Haus in Rüsselsheim und sein Büro bei Volkswagen durchsuchen. Doch die Ermittler konnten nicht nachweisen, daß »der Beschuldigte auf eine Auftragsvergabe an Hochtief Einfluß nahm«. Die Staatsanwälte stellten das Verfahren gegen Sanz deshalb ein.

Vor der Justiz ist Sanz damit sicher, und kommentieren mag er die Affäre am liebsten auch nicht mehr. An Details könne er sich nicht mehr erinnern. Es könnten durchaus noch einige Rechnungen offen sein.

VW-Chef Ferdinand Piëch werden diese Auskünfte kaum genügen. Der Vorstandsvorsitzende muß entscheiden, ob die Wolfsburger weiterhin einen Einkaufsvorstand beschäftigen, der von einem Lieferanten Gefälligkeiten im Wert von knapp 400 000 Mark entgegennahm.

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