Winterhorn Schweizer verkaufen Skigebiet im Internet

Veraltete Anlagen, kaum noch Gäste und ein Schuldenberg von 100.000 Euro: Das Skigebiet Winterhorn in der Zentralschweiz stand vor dem Aus. In ihrer Not schalteten die Besitzer eine Anzeige im Internet - und haben so einen neuen Investor gefunden.

Von Alice Chalupny


Hamburg - Das Angebot in der Kategorie Immobilien trägt die Artikelnummer 500193445. Überschrift: Skigebiet Winterhorn zu verkaufen. Zustand: Gebraucht. Produktbeschreibung: "Wunderschönes familienfreundliches Skigebiet" mit Sessel- und Schlepplift, Restaurant samt Après-Ski-Blockhaus und einer Talstation mit Land. Preis: 250.000 Franken - umgerechnet gut 164.000 Euro.

Lift am Winterhorn: Investor ist Glücksfall für das Dorf

Lift am Winterhorn: Investor ist Glücksfall für das Dorf

Einen Monat lang war das Skigebiet auf der Internet-Auktionsplattform Ricardo im Angebot. Am vergangenen Freitag dann endete die Bieterfrist - und die Besitzer ließen die Korken knallen. Gleich mehrere Interessenten hätten sich gemeldet, jubelten die Verantwortlichen - davon waren sie nicht ausgegangen.

Denn das Skigebiet am Fuß des Gotthardmassivs schreibt seit mehreren Jahren rote Zahlen, zuletzt lastete ein Schuldenberg von umgerechnet rund 100.000 Euro auf der Betreibergesellschaft. Die veralteten Anlagen verfügen über zu geringe Förderkapazitäten, als dass ausreichend viele Wintersportler gewinnbringend transportiert werden könnten. Und selbst wenn: Da das Skigebiet am hinteren Ende des Innerschweizer Urserentals liegt, verirren sich kaum Tagesgäste ans Winterhorn.

Investor ist Glücksfall für das Dorf

Wer jetzt für Winterhorn die 250.000 Franken auf den Tisch legt, das hält Claus Dangel noch geheim. "So wünscht es der Investor", betont der Geschäftsführer und Minderheitsaktionär der Betreibergesellschaft. Eine bekannte Größe aus der internationalen Tourismusindustrie sei die Person aber nicht. "Es wird keinen Aha-Effekt geben, wenn wir den Namen bekanntgeben", beruhigt Dangel - denn die Schweizer Medien rätselten in den vergangenen Tagen bereits intensiv, wer der Käufer sein könnte. Selbst die Nationalität des Investors will Dangel nicht verraten - zu groß ist offensichtlich die Sorge, der Retter in der Not könnte, verärgert über zu viel Publicity, von dannen ziehen. Denn der Deal ist nicht in trockenen Tüchern, noch laufen die Vertragsverhandlungen, noch muss die Bilanz der Betreibergesellschaft bereinigt werden.

Für die Bewohner der Gemeinde Hospental - das Dorf liegt im Tal unterhalb des Skigebiets - ist der Investor ein Glücksfall. Rund hundert Arbeitsplätze hängen direkt vom Wintersportbetrieb ab. In der vergangenen Saison, die jeweils drei Monate dauert, standen die Bergbahnen still - das Geld für den Betrieb reichte nicht mehr. Für die Bewohner ein schwerer Schlag, denn neben den zahlreichen Gästen aus Süddeutschland fehlten auch die gut 6000 Schweden, die jedes Jahr im Verbund eine Woche lang am Winterhorn urlauben. "Jeder Schwede lässt im Schnitt gut tausend Franken liegen. Das macht total sechs Millionen Franken für uns", rechnet Dangel vor. In Euro sind das gut vier Millionen Umsatz für die Skiregion - und der Hauptumsatzträger für die Region.

Im kommenden Winter sollen die Anlagen wieder laufen - Schweden und Deutsche können also wieder kommen. "Wenn der Investor einsteigt, können wir den Betrieb zu 99,9 Prozent aufnehmen", verspricht Dangel. Dass der Käufer in letzter Minute noch abspringt, will er zwar nicht völlig ausschließen, sagt aber: "Die Person ist sympathisch und sehr seriös, da sollte eigentlich nichts mehr dazwischen kommen."

Dangels Optimismus hat seinen Grund: In der Nachbargemeinde Andermatt baut der ägyptische Immobilienmogul Samih Sawiris derzeit ein riesiges Ferienresort mit 710 Wohnungen, 30 Privatvillen, Luxushotels mit insgesamt 600 Gästezimmern sowie einer Golfanlage von Weltformat. Das Resort, so Dangels Überlegung, werde die gesamte Region beleben. Oder wie er es in der Internet-Offerte beschreibt: "Das Skigebiet ist derzeit defizitär, sollte jedoch spätestens nach der Fertigstellung des Golfareals in Andermatt höchst profitabel zu betreiben sein."



insgesamt 3 Beiträge
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ukw 21.07.2009
1. .
Da fällt mir spontan ein Exil - Deutscher Motorsportler ein, der auch gerne Ski fährt und wenig Rummel um seine Person macht (ist nur mein spontaner Gedanke gewesen und nix belegbares) Das Golfplatzprojekt in unmittelbarer Nachbarschaft ist ein sehr glücklicher Umstand. Alles Gute dem Winterhorn .
alpenjonny 21.07.2009
2. Glück gehabt!
Gruezi! Schön-da haben die "Winterhörnler" aber Glück gehabt! In der CH gibt es noch weitere dutzende Skistationen, die knapp vor dem Exitus stehen. Die Bedrohung durch Insolvenz trifft in erster Linie Skistationen, die knapp unterhalb der Waldgrenze (1800 m) wirtschaften müssen. Schneesicher? Nein- genau da liegt der Hase im Pfeffer! Letzten Winter, der ausserordentlich kalt und lange war, gewährte unsicheren Skiresorts noch einmal eine Atempause. Die Vorschriften zum Betrieb der Skilifte wurden in den letzten 10 Jahren von den Kantonen dauernd nach oben geschraubt, auch Bern gab harsche Vorgaben. Mit Folgen: Kleinere Skiorte mit zu geringem Besucheraufkommen stehen vor dem Kollaps. Die Investitionen in neue Skilifte und Pisten, Gerätschaften, Personal und anständige Unterkünfte erreichen im Handumdrehen die Millionengrenze, auch in Euros. Weil Banken bedingt durch die Finanzkrise nicht mehr so unbeschwert Kredite sprechen, wie früher, ist für die Kleinen Winterresorts die Luft sehr dünn geworden. Selbst die Kantone, die früher bürgten, kniffen, auch deren Etat ist aus dem Lot gefallen. Sämtliche Skiorte im Alpenraum müssen in nur drei Monaten ihr Geld verdienen. Die restlichen neun Monate dümpeln die vor sich hin. Die Sommermonate gelten als flaue Zeit, Turis die in den Bergen rumkraxeln, gibt es zwar zuhauf. Die lassen jedoch deutlich weniger Geld in den Bergen liegen, als wildentschlossene Wochenendturis, die in Alphütten, umfunktioniert als Gletscherdiscos, viel Geld in den Schnee werfen, einfach so. Es ist Hip, im Winter zum Skivergnügen in die Alpen abzureisen. Man kann dann am Arbeitsplatz so schön bluffen und wie ein Wald voller Affen angeben, wie doll man es im Schnee trieb. Bergwanderer, die jetzt etwa im Graubünden, Berner-Oberland oder Wallis Urlaub verbringen, fallen sicher die vielen geschlossenen Fensterläden der Chalets auf. Gstaad, St. Moritz und viele andere weltberühmte Alpendörfer gleichen regelrechten Geisterdörfer. Nur wenige Tages-Ausflügler, die in ihren Rucksäcken noch den Proviant von unten her mitschleppen.Nicht wenige Restaurants, Läden, auch Hotels haben wegen zu geschlossen, eröffnen erst im Herbst wieder. So betrachtet, hatten die "Winterhörnler" sehr viel Glück mit der Internetauktion von Ricardo. Das Risiko des Scheiterns infolge nicht genügendem Bescheraufkommen ist gross. Zu gross? Ob die Nachbargemeinde Andermatt mit dem Multi-Millionär Sawiris aus Ägypten (!) den Auschlag gab, bleibt Spekulation. Der Wüstensohn hat grosse ehrgeizige Ziele, auch im Sommer soll Andermatt dank den Golfern rentieren. Schauen wir mal. Ob Sawiris überhaupt Skifahren kann, ist nicht bekannt.
carstenkapstadt, 21.07.2009
3. welch Paradies
und es gab in dem ganzen Artikel nicht den leisesten Hinweis, das irgend ein Weltverbesserer ein fast ausgestorbenes Waldinsekt entdeckt hat, oder das ein Gewerkschaftspinsel einen seperaten Ruheraum fuer alleinerziehende Muetter ohne Migrationhintergrund oder aehnlichem Bloedsinn fordert, der das Ganze wieder zum Einsturz bringen wird!!!! Ich hoffe fuer die Bewohner und Arbeitnehmer das diese Investition ihnen wieder ein sicheres Auskommen beschwert.
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