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»Wir wollen das nicht!«

Bundesfinanzminister Hans Eichel über den Missbrauch von steuerlichen Regelungen durch Fußballmillionäre
Von Wolfgang Reuter
aus DER SPIEGEL 39/2003

SPIEGEL: Herr Eichel, was haben Sie gedacht, als Sie gelesen haben, dass die Fußballprofis von Borussia Dortmund nun steuerfreie Zuschläge in Millionenhöhe für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit kassieren?

Eichel: Mein erster Gedanke war: Das kann nicht sein, das können wir nicht hinnehmen.

SPIEGEL: Obwohl die Spielerverträge, nach Auskunft Ihres Hauses, rechtlich wohl nicht angreifbar sind?

Eichel: Das ist leider so. Aber jedem ist klar, dass die steuerfreien Zuschläge nicht für Millionäre gedacht waren. Das wollen wir nicht.

SPIEGEL: Was haben Sie vor?

Eichel: Wir wollen das Gesetz ändern, so kann es nicht bleiben.

SPIEGEL: Planen Sie, die steuerliche Subvention - denn darum handelt es sich ja eigentlich - ganz abzuschaffen?

Eichel: Nein. Das hat die FDP schon einmal vorgeschlagen, aber das ist mit uns nicht zu machen. Es kann ja nicht sein, dass ein paar Fußballmillionäre eine Regelung ausnutzen, die nie für sie gedacht war - und die Krankenschwestern sowie andere Normalverdiener müssen das ausbaden. Wir müssen - und werden - natürlich die sozialen Auswirkungen berücksichtigen.

SPIEGEL: Wie soll das Gesetz denn aussehen?

Eichel: Dazu möchte ich noch nichts sagen. Sie können so etwas nicht in drei oder vier Tagen zusammenschustern.

SPIEGEL: Genau betrachtet, gibt es ja eigentlich nur zwei Wege: Sie können entweder die steuerfreien Zulagen deckeln - oder eine Einkommensgrenze einführen, oberhalb deren die Steuerbefreiung nicht mehr gilt.

Eichel: Das sind zwei Möglichkeiten. Aber wir haben uns noch nicht entschieden und noch keine Details ausgearbeitet.

SPIEGEL: Haben Sie für die Gesetzesänderung die Rückendeckung des Kanzlers und Ihrer Kabinettskollegen?

Eichel: Der Kanzler ist mit mir völlig einer Meinung, dass dieser Zustand nicht haltbar ist - dass aber auch die Geringverdiener, für die das Gesetz ursprünglich geschaffen wurde, nicht darunter leiden dürfen.

SPIEGEL: Gibt es noch andere Steuerschlupflöcher, die nun vermehrt missbräuchlich von Bürgern in Anspruch genommen werden?

Eichel: Dieses Gesetz ist kein Steuerschlupfloch, denn das hieße ja, die Inanspruchnahme der Regelung wäre illegal. Das ist sie nicht.

INTERVIEW: WOLFGANG REUTER

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