Wirecard-Skandal Fahnder vermuten Ex-Vorstand Jan Marsalek in China

Seit Tagen sucht die Staatsanwaltschaft München nach Jan Marsalek, von dem sie Antworten auf zentrale Fragen im Wirecard-Skandal erwartet. Doch der Manager ist untergetaucht - die jüngsten Spuren führen nach China.
Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München: Mehrere beteiligte Parteien rund um die Welt

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München: Mehrere beteiligte Parteien rund um die Welt

Foto: Peter Kneffel / DPA

Jan Marsalek, Schlüsselfigur im Milliardenskandal um den insolventen Dax-Konzern Wirecard, hält sich möglicherweise in China auf. Nach den Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste der frühere Wirecard-Vorstand am Dienstag in das südostasiatische Land ein und am Mittwoch über den Flughafen Cebu weiter nach China. Allerdings zeigten die Videoaufzeichnungen des Flughafens nicht, dass Marsalek das Land verlassen habe, sagte Justizminister Menardo Guevarra am Donnerstag dem Fernsehsender CNN Philippines.

Der Manager war im Wirecard-Vorstand für das operative Tagesgeschäft zuständig und am vergangenen Montag fristlos entlassen worden. Am Freitag war Vorstandschef Braun zurückgetreten, am Montag räumte Wirecard dann die Luftbuchungen ein - die 1,9 Milliarden, die angeblich auf philippinischen Treuhandkonten lagern sollten, existieren mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" nicht, wie es der Vorstand formulierte. Braun kam für eine Nacht in Untersuchungshaft, wurde am Dienstag aber gegen Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits seit Wochen gegen Marsalek, Ex-Vorstandschef Markus Braun und zwei weitere noch amtierende Vorstände wegen des Verdachts der Falschinformation von Anlegern.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die die Bilanzen von Wirecard prüfte, geht von umfassendem Betrug mit mehreren beteiligten Parteien rund um die Welt aus. Zwei zentrale Figuren des Skandals sind der ehemalige Wirecard-Finanzchef in Südostasien und ein Treuhänder, der bis Ende 2019 in Singapur für Wirecard aktiv war. Er betreute das - wie sich nun herausgestellt hat - in großen Teilen wahrscheinlich gar nicht existente Geschäft mit Drittfirmen, die angeblich für Wirecard Zahlungen im Mittleren Osten und in Asien abwickelten.

mik/dpa-AFX
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