Skandalunternehmen Friedrich Merz traf Wirecard-Boss Braun gleich zweimal

Der CDU-Politiker Friedrich Merz hatte nach SPIEGEL-Informationen mehrfach Kontakt zu dem inzwischen inhaftierten Ex-Wirecard-Chef Markus Braun. Man habe über »allgemeine Kapitalmarktthemen« gesprochen.
Friedrich Merz: CDU-Parteivorsitzkandidat mit Beziehungen

Friedrich Merz: CDU-Parteivorsitzkandidat mit Beziehungen

Foto: Michael Kappeler/ DPA

Auch Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Parteivorsitz, hat Kontakt zu Ex-Wirecard -Chef Markus Braun gehabt: In seiner Zeit als Aufsichtsratschef des Deutschland-Ablegers des US-Vermögensverwalters Blackrock habe Merz Braun zweimal getroffen, bestätigte ein Sprecher des Politikers dem SPIEGEL.

Zwischen Merz und Braun habe es im November 2018 ein erstes Treffen im Hotel »Das Tegernsee« am gleichnamigen See in Bayern gegeben, ein zweites im September 2019 in der Wirecard-Konzernzentrale in Aschheim nahe München, bestätigte der Sprecher. Das Treffen in Aschheim habe lediglich eine halbe Stunde gedauert, da Braun zu spät erschienen sei und frühzeitig wieder aufbrechen musste. Inhalt der Gespräche seien jeweils »allgemeine Kapitalmarktthemen« gewesen. 

Private Kontakte oder Einladungen zwischen Merz und Braun habe es indes nicht gegeben, so Merz' Büro. Zugleich versicherte der Sprecher, dass Merz »zu keinem Zeitpunkt« Gespräche mit der Bundesregierung oder Aufsichtsbehörden über Wirecard geführt habe. Seit dem zweiten Treffen habe es keinen Kontakt, auch nicht telefonisch, mehr zu Braun oder anderen Wirecard-Managern gegeben.

Braun, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, hatte in seiner Zeit als Wirecard-Chef häufig Kontakt mit aktiven oder ehemaligen Politikern. So traf er Anfang November 2019 Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium – zu einem Zeitpunkt also, an dem die Wirtschaftsprüfer von KPMG das Unternehmen durchleuchteten, um Betrugsvorwürfe aufzuklären. Das vernichtende Urteil des Ende April 2020 veröffentlichten Sondergutachtens war der Anfang vom Ende der vermeintlichen Wachstumsstory Wirecard. Der einstige Dax-Konzern soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben; Topmanager werden verdächtigt, Millionen veruntreut zu haben.

Braun hatte für den Aufstieg der Firma auch die Dienste von Ex-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg genutzt, der sich bei Kanzlerin Angela Merkel für Wirecards Markteintritt in China eingesetzt hatte. Hamburgs früherer Bürgermeister Ole von Beust antichambrierte ebenfalls für Wirecard und Braun. Überdies galt Braun in der politischen Szene seiner Heimat Österreich als exzellent vernetzt.

»Wer Kanzler werden will, sollte wirtschaftlichen Sachverstand und Urteilsvermögen mitbringen«

Merz hatte 2016 als Aufsichtsratsvorsitzender bei Blackrock angeheuert und das Mandat im März 2020 wieder beendet, nachdem klar war, dass CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ihr Amt aufgibt. Derzeit bewirbt sich Merz neben Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sowie Ex-Bundesumweltminister Norbert Röttgen um den CDU-Vorsitz. Der Gewinner hat gute Chancen, nächster Kanzlerkandidat der Union zu werden.

Fabio De Masi, Finanzexperte der Linken und Mitglied im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Wirecard-Affäre, hält die Treffen zwischen Merz und Braun per se zwar nicht für verwerflich. »Wer aber Aufsichtsrat war und Kanzler werden will, sollte wirtschaftlichen Sachverstand und Urteilsvermögen mitbringen« und daher klarstellen, ob er Braun kritische Fragen gestellt habe. »Der Untersuchungsausschuss des Bundestags wäre dafür ein idealer Ort, wenn auch weniger idyllisch als der Tegernsee«, so De Masi.

Zugleich wies der Linkenpolitiker darauf hin, dass Braun sowie Burkhard Ley, ehedem Wirecard-Finanzvorstand und später Berater des Konzerns, beim Wirtschaftsrat der CDU aufgetreten seien, dessen Vizepräsident Merz ist. Zudem hätten Wirecard und Blackrock Veranstaltungen des Verbandes unterstützt.