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Juristische Aufarbeitung des Skandals Neuer Haftbefehl gegen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun

Seit fast zwei Jahren sitzt der frühere Boss des Skandalkonzerns in Untersuchungshaft. Das Landgericht München signalisiert nun: Im Herbst dürfte es zum Prozess kommen.
aus DER SPIEGEL 26/2022
Manager Braun vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages

Manager Braun vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages

Foto: Pool / Getty Images

Das Landgericht München I hat einen neuen Haftbefehl gegen den früheren Chef des Skandalkonzerns Wirecard ausgestellt. Die Staatsanwaltschaft München hatte den Befehl beantragt, nachdem sie am 9. März An­klage gegen Braun erhoben hatte. Der Schritt ist nicht ungewöhnlich, oft präzisieren Strafverfolger nach dem vorläufigen Abschluss ihrer Ermittlungen in einem neuen Haftantrag ihre Vorwürfe.

Aus: DER SPIEGEL 26/2022

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Mit der Entscheidung des Landgerichts, diesem Antrag stattzugeben, steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Anklage gegen Braun  zugelassen wird und der 52-jährige Österreicher sich noch in diesem Jahr vor Gericht verantworten muss. Über die Zulassung entscheidet dieselbe Strafkammer, die nun in dem neuen Haft­befehl einen dringenden Tat­verdacht gegen Braun bejaht.

Noch läuft das sogenannte Zwischenverfahren: Brauns Anwälte haben in einem fast 300 Seiten langen Schriftsatz noch einmal dargelegt, warum sie den Ex-Boss für unschuldig halten. Die Staatsanwaltschaft dürfte mit einer Erwiderung dagegenhalten. Beide Seite haben ihre Argumente bereits im Zuge der Ermittlungen und regelmäßiger Haftprüfungen ausgetauscht.

Verfahrensbeteiligte halten es für wahrscheinlich, dass es im Herbst zum Prozess kommt, falls das Gericht die Anklage noch vor der Sommerpause zulässt. Braun war wenige Tage nach dem Auffliegen des Betrugs bei dem damaligen Dax-Konzern im Juni 2020 erstmals festgenommen worden und sitzt seit fast zwei Jahren in Untersuchungshaft.

Neben Braun sind der frühere Buch­haltungschef Stephan von Erffa sowie Oliver Bellenhaus, Statthalter von Wirecard in Dubai, angeklagt. Sie äußerten sich zuletzt unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Gegen mehr als 20 Beschuldigte wird noch ermittelt.

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