Wirecard Showdown ohne echten Sieger

Endlich legt Wirecard seine Bilanz vor, eine Wirtschaftsprüferfirma erklärt das Zahlenwerk für sauber. Der Chef Markus Braun spricht vom "Wendepunkt" im Bilanzskandal. Er dürfte falsch liegen.

Wirecard-Chef Markus Braun
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Wirecard-Chef Markus Braun

Von manager-magazin.de-Redakteur


Da ist er also, der lang erwartete Showdown. Und dann passiert einfach...nicht so viel.

Wirecard-Chef Markus Braun kann seine Bilanz für 2018 mit drei Wochen Verzögerung präsentieren, die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young geben ihr "uneingeschränktes" Testat, der Bilanzskandal in Singapur hat nur minimale Auswirkungen auf die Geschäftszahlen. Ein Bericht der "Financial Times" mit neuen Zweifeln an der Substanz des deutschen Zahlungsabwicklers wird umgehend dementiert.

"Wir denken wirklich, dass heute ein Wendepunkt ist", sagt Markus Braun (49) vor der Bilanzpressekonferenz im Interview des Fernsehsenders CNBC. Aber er sagt es mit nervösem Blinzeln, sichtlich angespannt - und so wirkt es auch nicht recht überzeugend, als er vor der Presse beteuert, die "unglaubliche Freude" an seinem Job habe er in all dem Trubel der vergangenen Monate nie verloren.

Der Börsenhype um die Firma aus Aschheim im Landkreis München hat den Österreicher zum Milliardär gemacht. Aber das wilde Auf und Ab des Aktienkurses seit den ersten "FT"-Vorwürfen nährt die ständige Furcht, das "House of Wirecard" könne einfach zusammenbrechen. Ausgerechnet an dem Tag, der die Befreiung von dieser Sorge markieren soll, bewegt sich die Wirecard-Aktie einmal unauffällig - zumindest bis zum frühen Donnerstagnachmittag.

Wirecard bewirbt sich selbst als Megatrend

Für Brauns Anliegen könnte das ganz gut sein: sich wieder in aller Langeweile auf das operative Geschäft konzentrieren. Wirecard bewirbt sich selbst zwar in Investorenpräsentationen als innovativer Technologiekonzern mit Hype-Begriffen wie "Big Data", "künstliche Intelligenz" oder dem "Megatrend zur bargeldlosen Gesellschaft".

Im Kern ist das Geschäftsmodell aber eine relativ profane Mittlerrolle zwischen Onlinehändlern und Zahlungsdiensten wie beispielsweise Kreditkartenfirmen. Wirecard kassiert Disagio und andere Gebühren für die Vermittlung, das macht das Gros der auf immerhin zwei Milliarden Euro angeschwollenen Umsätze aus - weitgehend ein Business-to-Business-Geschäft im Hintergrund, sodass kaum jemand im Alltag direkt mit Wirecard in Berührung kommt. Für Anleger ist es der entgegengesetzte Reiz zu dem von Konzernen wie Apple oder Tesla, deren Produkte jeder kennt.

Gerade dieses Schattendasein aber macht Wirecard anfällig für Zweifel. So ganz ausräumen kann Firmenchef Braun die nicht - nach wie vor. Noch immer ermittelt die Polizei in Singapur wegen Scheingeschäften mit Wirecard-Partnerfirmen. Der von der Firma selbst in Auftrag gegebene Untersuchungsbericht der Kanzlei Rajah & Tann wird "aus rechtlichen Gründen" nicht veröffentlicht.

Und auch wenn sich der Konzern selbst rechtlich korrekt verhalten haben mag - für einzelne (Ex-)Beschäftigte behauptet Wirecard das nicht mehr -, bleibt immer noch die Tatsache, dass ein Großteil der Umsätze und laut "FT" fast der gesamte Gewinn der Vorjahre auf das Konto merkwürdiger Partnerfirmen in verschiedenen asiatischen Ländern geht.

Jetzt mit mehr Compliance

Immerhin: Ein kleines Eingeständnis, dass die Strategie des Abstreitens, Kleinredens und Gegenklagens nicht seriös genug wirkt, liefert Wirecard mit der Zusage, an Compliance-Strukturen zu arbeiten. Eine "Taskforce" für saubere Geschäfte soll her.

Auch der am Mittwoch präsentierte Partner Softbank taugt nicht unbedingt, um alle Zweifel an der Substanz des Unternehmens auszuräumen. Der japanische Konzern - bekannt als "Herr der Blasen" mit freigiebiger Kapitalvergabe an allerlei riskante Investments - lässt sich eine Wandelanleihe mit 1,7 Prozent verzinsen, die zugleich den Einstieg bei Wirecard als Fünfprozent-Großaktionär zum heute schon übertroffenen Kurs von 130 Euro garantiert. Man brauche das Kapital von 900 Millionen Euro nicht, beteuert Braun - es gehe nur um die Wachstumschancen.

Ein Wendepunkt? Wohl kaum. Fans wie Skeptiker von Wirecard werden weiterhin reichlich Argumente für ihre jeweilige Sichtweise finden und die Aktie auf Achterbahnfahrt schicken. Oder sich auch mal die Waage halten, wie an diesem Donnerstag.

insgesamt 12 Beiträge
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biesi61 25.04.2019
1. Gerade der Spiegel sollte den perfiden Mechanismus kennen,
dass immer irgend etwas hängen bleiben soll, wenn man nur mit besonders fiesem Dreck wirft. Genau das passiert gerade Wirecard durch die Machenschaften eines skrupellosen, in der Vergangenheit mehrfach als Lügner überführten Hetzers in der Financial Times, dessen faktenfreies Geschreibsel Züge eines brutalen, gegen die gesamte deutsche Volkswirtschaft gerichteten Wirtschaftskrieges trägt. Traurig, dass der Spiegel statt einer klaren, sauber recherchierten Replik nur so ein pseudo-ausgewogenes Nichts zum Thema beiträgt.
sven2016 25.04.2019
2. Erstaunlich.
Wie wird man als Chef einer Firma mit 2 Milliarden Jahresumsatz nach kurzer Zeit zum Milliardär? Wird nur der Aktienwert hochgerechnet? In realem Geld wäre das ein sehr ambitioniertes Ergebnis. Man staunt auch immer wieder darüber, wie viele Zwischenstationen Online-Payments gebührenpflichtig durchlaufen bis sie den Empfänger erreichen.
Steve111 25.04.2019
3. Mal positiv betrachtet :
Dass sich der erfolgreiche Vision Fonds von Softbank ( Gesamtvermögen über 100 Milliarden Dollar ) mit 900 Millionen Euro an Wirecard beteiligt, darf absolut als Ehrung angesehen werden; denn auch Softbank wird Wirecard vorab genau unter die Lupe genommen, und ein positives Urteil gefällt haben. Man kann durchaus von einem Ritterschlag sprechen, und einem Schlag ins Gesicht der Financial Times und seinem Reporter MC Crum, sowie einigen Leerverkäufern im Hintergrund.
Kurt-C. Hose 25.04.2019
4.
Zitat von sven2016Wie wird man als Chef einer Firma mit 2 Milliarden Jahresumsatz nach kurzer Zeit zum Milliardär? Wird nur der Aktienwert hochgerechnet? In realem Geld wäre das ein sehr ambitioniertes Ergebnis. Man staunt auch immer wieder darüber, wie viele Zwischenstationen Online-Payments gebührenpflichtig durchlaufen bis sie den Empfänger erreichen.
Gehen Sie mal davon aus, dass das der Börsenwert seiner Firmenanteile ist.
beuerchen-christian 25.04.2019
5.
@ sven2016 Eigentlich nicht. Kreditkartenzahlungen beinhalten 4 Parteien und wirecard wäre eine davon. In diesem Fall der aqcuirer, also der Dienstleiser, mit dem du einen KK Akzeptanzvertrag hast. Die anderen 3 sind : Kartenausgebende Bank, Händler und Kunde. Zumindest bei Visa und Mastercard. Amex funktioniert mit nur 3 Parteien.
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