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WETTBEWERB Wirklich nützlich

Die Hamburger »Cats«-Produzenten setzen eine Stuttgarter Unternehmerin unter Druck - den Namen ihres Musicals dürften nur sie vermarkten. *
aus DER SPIEGEL 36/1987

. Im ersten Moment riecht das Zeug süß, nach einigen Minuten entwickelt sich dann ein blumig-schweres Aroma. »Das muß so sein«, sagt die Duftmischerin Veneta Bublitz. »Ein Parfum, das sich auf der Haut nicht verändert, taugt nichts.«

Das Parfum, das die 45jährige Biologin aus Stuttgart gemixt hat, mag ja was taugen, aber der Name der Kreation macht ihr Ärger: »Cats« heißt das Wässerchen, und damit wollen sich die Manager der Hamburger Stella Theater Produktions GmbH nicht abfinden: Die Firma inszeniert und vermarktet in der Bundesrepublik das Musical »Cats«.

Mit ihrem Duftwasser hänge sich Frau Bublitz, so behaupten ihre Widersacher, an den Erfolg des Musicals. Die gebürtige Bulgarin, die seit fünf Jahren in einem kleinen Labor Duftwässer, Cremes und Shampoos herstellt, vertreibt ihr Parfum »Cats« in Münchner und Stuttgarter Parfümerien für 59 bis 79 Mark.

Das größere Geschäft mit dem Namen »Cats« machen inzwischen die Musical-Manager in Hamburg. Mehr als eine halbe Million Besucher lauschte seit der Premiere am 18. April 1986 zu Eintrittspreisen von 40 bis 100 Mark der Katzenmusik im Hamburger Operettenhaus.

Auch das Geschäft mit dem unvermeidlichen Beiwerk läuft prächtig. Die im Theaterfoyer und in Kaufhäusern erhältlichen Armbanduhren, Handtücher, Schallplatten oder Feuerzeuge mit dem »Cats«-Emblem bringen pro Jahr nochmals mindestens zwei Millionen Mark.

Nur ein »Cats«-Parfum fehlt noch in der Produktpalette. Das wollten die Musicalproduzenten gern zusammen mit dem Düsseldorfer Henkel-Konzern auf den Markt bringen. Doch Frau Bublitz hatte sich schon 1984 ein Duftwasser gleichen Namens beim Münchner Patentamt schützen lassen.

Zunächst versuchten die Stella-Manager deshalb, der Stuttgarterin das Warenzeichen abzuschwatzen. Später boten sie ihr 25000, dann 50000 Mark für die Markenrechte. »Dabei«, empört sich Veneta Bublitz, »habe ich allein

für die Entwicklung schon über 40000 Mark ausgegeben.«

Schließlich wollten die Stella-Anwälte den Verkauf des Parfums per einstweiliger Verfügung stoppen. Doch selbst die angedrohte Strafe von 500000 Mark konnte die energische Unternehmerin nicht umstimmen.

»Als ich mein Warenzeichen 1984 beantragte«, so Frau Bublitz, »hat bei uns noch kein Mensch über ,Cats' gesprochen. Außerdem gab es die Firma Stella zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. »

Tatsächlich war das Stück bis zu diesem Zeitpunkt nur in New York, London, Budapest, Tokio und Wien aufgeführt worden. Auch wurde der deutsche Ableger der Londoner »Really Useful Group« ("Wirklich nützliche Gesellschaft"), die das Katzenmelodram weltweit vermarktet, erst am 20. September 1985 gegründet.

Um ihre These zu stützen, behaupteten die Stella-Manager daher einfach, Frau Bublitz habe schon Anfang 1984 die Wiener Aufführung besucht und dort die Idee für ihr Parfum gestohlen. »Ich habe«, sagt die Unternehmerin dagegen, »die kitschige Show zum ersten Mal im November 1986 gesehen.«

Die Musical-Produzenten in London hatten das »Cats«-Zeichen für Großbritannien schützen lassen. Doch weil die Stella-Manager in Hamburg ihren Titel viel zu spät als geschütztes Warenzeichen anmeldeten, sind die Musical-Souvenirs in Deutschland auch heute noch nicht vor Nachahmung sicher.

Trotzdem starteten die Hamburger Veranstalter zur deutschen »Cats«-Premiere mit dem Souvenirverkauf.

»Normalerweise«, meint der Hamburger Großimporteur Klaus Heinemann, der den »Cats«-Nippes für Stella vertreibt, »wartet man erst einmal ab, bis das Warenzeichen eingetragen ist.«

Um die Scharte auszuwetzen und »den Markt sauberzuhalten« (Stella-Beauftragter Horst Jantschek), wollen die deutschen »Cats«-Manager an der Stuttgarter Kosmetikherstellerin nun ein Exempel statuieren.

Da ihr Musical mittlerweile »Weltgeltung« erlangt habe, begründeten sie ihren Vorstoß, dürften auch außerhalb Großbritanniens keine Waren mit dem »Cats«-Logo produziert und verkauft werden.

Die Stella-Manager blitzten Anfang Juli beim Hamburger Landgericht zunächst einmal ab. Das Musical, entschieden die Richter, habe 1984, als Frau Bublitz ihr Parfum anmeldete, noch keineswegs »Weltruhm« besessen. Außerdem habe die Firma Stella zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existiert. Daher könnten ihre Vertreter auch kein Monopol auf »Cats«-Erzeugnisse beanspruchen.

Die Hamburger wollen trotzdem nicht aufgeben. Anfang August legten sie gegen das Urteil Berufung ein. »Wir können doch nicht zulassen«, so Stella-Mitarbeiter Jantschek, »daß der Qualitätsanspruch von 'Cats' zerstört wird.«

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