Düstere Stimmung Wirtschaft der Eurozone schrumpft auch im August

Die deutsche Wirtschaft ist im August so stark geschrumpft wie seit Beginn der Coronapandemie nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für Privatwirtschaft und Industrie sank auf den niedrigsten Stand seit Juni 2020.
Industrieproduktion: Merklich unter der Wachstumsschwelle von 50

Industrieproduktion: Merklich unter der Wachstumsschwelle von 50

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Joseffson / Westend61 / IMAGO

Gebremst von der Gaskrise und hoher Inflation ist die Wirtschaft der Eurozone im August den zweiten Monat in Folge geschrumpft. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Privatwirtschaft – er fasst Industrie und Dienstleister zusammen – fiel um 0,7 Punkte auf 49,2 Zähler, wie der Finanzdienstleister S&P Global am Dienstag zu seiner Umfrage unter Tausenden Firmen auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Dies ist ein 18-Monats-Tief. Damit liegt das Barometer zugleich merklich unter der Wachstumsschwelle von 50.

Hauptverantwortlich für die erneute Schrumpfung war laut S&P Global die Industrie, deren Produktion zum dritten Mal hintereinander kräftig zurückgefahren wurde. Doch auch der Servicesektor kühlte den vierten Monat in Folge ab und vermeldete das schwächste Wachstum seit Beginn des Aufschwungs im April 2021.

Betroffen sind besonders die großen Eurostaaten

»Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung der Eurozone im dritten Quartal 2022 schrumpfen wird«, prognostizierte Ökonom Andrew Harker von S&P Global Market Intelligence. Die steigenden Lebenshaltungskosten sorgten dafür, dass der nach Aufhebung der Corona-Eindämmungsmaßnahmen eingesetzte Aufschwung im Servicesektor im August abgeebbt sei.

Einer Analyse des ifo-Instituts zufolge wird auch der private Konsum im weiteren Verlauf des Jahres als Konjunkturmotor ausfallen. »Die Inflation frisst die zusätzlichen Ersparnisse der Deutschen auf. Die Sparpolster aus der Coronazeit sind bei vielen Haushalten nunmehr abgeschmolzen«, erklärte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Dienstag. Gleichzeitig würden die Verbraucherpreise weiter kräftig steigen. Das ifo-Institut analysierte die Bankbilanzen der privaten Haushalte.

Die Einlagen von privaten Haushalten bei Banken in Deutschland schwollen demnach zwischen dem zweiten Quartal 2020 und dem ersten Quartal 2021 kräftig an. »Legt man die durchschnittliche Sparneigung der fünf Jahre vor Ausbruch der Coronakrise zugrunde, wurden in dieser Zeit gut 70 Milliarden Euro mehr auf den Bankkonten geparkt als üblich«, erläuterte Wollmershäuser.

Diese Überschusseinlagen seien bis zum Ende des ersten Quartals 2022 fast vollständig abgebaut worden. Und im zweiten Vierteljahr habe sich diese Entwicklung in beinahe unverändertem Tempo fortgesetzt. »Die hohe Inflation dürfte dieses »Entsparen« der Haushalte maßgeblich getrieben haben«, erklärte Wollmershäuser.

Betroffen von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung waren insbesondere die größten Eurostaaten, allen voran Deutschland. Dort schrumpfte die Wirtschaft wegen der weiter rückläufigen Industrieproduktion und dem beschleunigten Abwärtstrend im Servicesektor so stark wie zuletzt im Juni 2020. Frankreichs Wirtschaftskraft sank aufgrund starker Produktionskürzungen in der Industrie und der Abkühlung im Servicesektor erstmals seit eineinhalb Jahren wieder. Außerhalb dieser beiden Schwergewichtsländer der Eurozone kam es lediglich zu einem Miniwachstum.

mik/Reuters
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