Ukraine-Krise Deutsche Firmen fürchten Boykotte gegen Russland

Mit Sorge blickt die deutsche Wirtschaft auf den Konflikt in der Ukraine: Boykotte gegen Russland könnten auch Deutschland schaden. Zumindest diese Sorge teilt Wirtschaftsminister Gabriel nicht.
Ukrainischer Soldat in Kramatorsk: Konsequenzen weit über das Land hinaus

Ukrainischer Soldat in Kramatorsk: Konsequenzen weit über das Land hinaus

Foto: STRINGER/ REUTERS

Berlin - Zahlreiche Vertreter der deutschen Wirtschaft sorgen sich um die Konsequenzen verschärfter Sanktionen gegen Russland. Deutsche Unternehmen litten schon jetzt unter der angespannten Lage, sagte der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Rainer Lindner, der Online-Ausgabe des "Handelsblatts". Auch die wirtschaftlichen Folgeschäden in der östlichen Ukraine könnten erheblich sein, warnte er.

BASF-Chef Kurt Bock forderte die Politik auf, darüber nachzudenken, wie man die Sanktionen wieder zurücknehmen könnte. Wer Boykotte gegen Russland beschließe, müsse deren Kosten und Nutzen abwägen und die Frage stellen, wer am meisten darunter leide, forderte er am Mittwoch in der "Süddeutschen Zeitung".

Nach Meinung von Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sind vor allem Europas noch immer angeschlagene Banken die Leidtragenden. Sollten sie Verluste durch die Sanktionen gegen Russland hinnehmen müssen, sagte er "Handesblatt Online", würde das die schwache Konjunkturerholung in der Euro-Zone gefährden.

Trotz dieser Bedenken richtete der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, klare Worte an Russlands Präsidenten Wladimir Putin: "Auch die deutsche Wirtschaft erwartet von der russischen Regierung ein deutliches Signal zur Deeskalation", sagte er dem Online-Portals des "Handelsblatts".

Ebenso deutlich hatte dies Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Dienstag gefordert und Russland im Falle einer weiteren Eskalation in der östlichen Ukraine vor noch schärferen Sanktionen gewarnt.

Mit ernsten Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft rechnet Gabriel jedoch nicht. Harte Sanktionen gegen Moskau seien keine echte Gefahr für den Aufschwung in der Bundesrepublik, da sie kaum direkte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den Außenhandel hätten, sagte er.

Die EU hatte die Sanktionen gegen Russland am Montag bereits verschärft. Am Donnerstag wollen die Chefdiplomaten Russlands, der Ukraine sowie der USA und der EU in Genf über einen politischen Ausweg aus der Krise beraten.

kpp/dpa/Reuters
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