Einzelhandel Sturm auf die Fahrradläden

Boom bei Bau- und Supermärkten, Absturz bei Bekleidung, Spielwaren und Schmuck: In kaum einer Branche brachte die Coronakrise neben Verlierern so viele Gewinner hervor.
Fahrradhandel: Großer Gewinner der Krise

Fahrradhandel: Großer Gewinner der Krise

Foto: Malte Christians/ dpa

Hätten wir Konsumenten am Ende des abgelaufenen Jahres Inventur gemacht, wäre vermutlich Ungewöhnliches herausgekommen: Wir haben weder neuen Schmuck noch neue Schuhe oder Kleidung im Schrank. Dafür einen gut gefüllten Vorratsschrank in der Küche, Farbeimer und Malerrolle im Keller – und ein nagelneues Fahrrad.

Für die Einzelhändler war das Corona-Jahr 2020 turbulent: Während der Konsum in früheren Wirtschaftskrisen eher stabilisierend auf die Volkswirtschaft wirkte, führte in diesem Jahr vor allem der doppelte Angebots- und Nachfrageschock zur Wirtschaftskrise. Nicht nur rissen im ersten Shutdown vielerorts die Lieferketten; auch der Konsum brach zeitweise völlig ein.

Darunter litt vor allem die Modeindustrie – weil Anlässe und Büroalltag fehlten, sank ihr Umsatz allein im ersten Halbjahr um rund 30 Prozent, berichtet der Handelsverband HDE. Auch Spielwarenhändler und Schmuckläden beklagten Umsatzverluste von rund 15 Prozent.

Schlangen wie in der Nachkriegszeit

Währenddessen überrannten die zur Häuslichkeit verdammten Konsumenten Supermärkte und Baumärkte und kauften wie verrückt Küchengeräte und Staubsauger. Und wer angesichts geschlossener Fitnessstudios und Sportvereine überschüssige Energie loswerden wollte, stieg aufs Rad – die Fahrradbranche legte ein Umsatzplus von rund 28 Prozent hin.

Doch nicht nur das. Auch die Art wie wir einkauften, änderte sich rasant: Der Kauf per Mausklick setzte sich deutschlandweit durch – was sich laut HDE in einem Umsatzplus von rund zwanzig Prozent für den Onlinehandel im ersten Halbjahr niederschlug. Und wenn wir zum Einkaufen rausgingen, kauften wir zunehmend lokal, regional und bio: Marktstände erlebten Schlangen wie in der Nachkriegszeit.

Trotz der Krise – und der damit verbundenen Sorge um den Job – wurde der Preis dabei weniger wichtig, bestätigt auch die GfK. Was sich auch an den zweistelligen Umsatzsprüngen von mittelpreisigen Supermärkten wie Rewe oder Edeka ablesen lässt, während die Discounter nur einstellig wuchsen. Geiz ist geil scheint seit Corona passé.

Im neuen Jahr dürften sich viele dieser Entwicklungen fortsetzen – zumindest, solange die Pandemie anhält. Denn sie verstärkt vor allem bestehende Trends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und den Rückzug ins Private. Online einzukaufen, Essen zu bestellen und Sport zu machen, wird für viele völlig normal werden. Dabei wird die Kauflust der Deutschen wahrscheinlich anhalten – wovon allerdings die Innenstädte deutlich weniger abbekommen. Drei Viertel der Modehändler sehen sich laut HDE bereits Ende Dezember in Existenzgefahr.

2021 könnte also das Gesicht der Innenstädte deutlich verändern, während immer mehr Lieferfahrzeuge durch die Straßen fahren.

Die wichtigsten Branchen und ihre Zukunftsaussichten
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