Wirtschafts-Nobelpreis Drei Amerikaner teilen sich die Ehre

Bei den Wirtschaftswissenschaften haben wieder die Amerikaner die Nase vorn. Der Ökonomie-Nobelpreis geht an die US-Professoren George Akerlof, A. Michael Spence und Joseph Stiglitz. Stiglitz sorgte mit Kritik am Internationalen Währungsfonds auch jenseits der Fachwelt für Furore.


Stockholm - Die drei Volkswirtschaftler teilen sich das Preisgeld von zehn Millionen schwedischen Kronen - rund eine Million Euro. Zwei der Geehrten lehren in Kalifornien: Der 61-jährige Akerloh doziert in Berkeley, Spence, 58, ist Professor in Stanford. Sein gleichaltriger Kollege Stiglitz hat einen Lehrstuhl an der Columbia-Universität in New York.

Mit dem Preis würdigte das Nobelkomitee Forschungen über Märkte mit asymetrischen Informationen. Die drei US-Wissenschaftler hatten in den siebziger Jahren unabhängig voneinander untersucht, wie Teilnehmer auf einen Markt operieren, denen ungleiche Informationen vorliegen. Sie studierten beispielsweise die Auswirkungen der Tatsache, dass der Käufer eines Konsumproduktes weit weniger über dessen Qualität weiß als der Hersteller. Umgekehrt kann ein Lebensversicherer die Gesundheit eines potenziellen Versicherungsnehmers deutlich schlechter einschätzen als dieser selbst.

Die Erkenntnisse des Forscher-Trios bildeten der "Kern der modernen Forschung über Information und Märkte", erklärte das Komitee. Die Anwendungen der Forschungen beträfen traditionelle Agrarmärkte ebenso wie moderne Finanzmärkte.

Die Entscheidung des Nobel-Komitees untermauert die Spitzenposition der USA auf dem Gebiet internationaler Wirtschaftsforschung. Seit der ersten Vergabe des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften im Jahr 1969 waren bis jetzt von insgesamt 49 (durchweg männlichen) Preisträgern 32 Bürger der USA. Unter den verbleibenden 17 war ein erheblicher Teil zum Zeitpunkt der Nobel- Vergabe an einer US-Universität tätig. Bisher einziger deutscher Träger des Ökonomie-Nobelpreises war 1994 der Bonner Reinhard Selten.

Akerlof und Stiglitz galten seit mehren Jahren als Anwärter auf den Wirtschafts-Nobelpreis, während die Vergabe an Spence in Stockholm eher als Überraschung gewertet wurde. Stiglitz wurde international auch über Fachkreise hinaus bekannt, als er seinen Posten als Chefökonom bei der Weltbank im Streit über die harte Finanzpolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF) während der Finanzkrise in Asien 1998 verließ. Zuvor hatte er den IWF öffentlich kritisiert.

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, meinte zur Entscheidung der schwedischen Akademie: "Sie war eigentlich seit zehn Jahre überfällig. Darauf haben wir lange gewartet."

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wurde 1968 zusätzlich zu den anderen, seit 1901 vergebenen Nobelpreisen, von der Reichsbank in Stockholm gestiftet und heißt offiziell "Preis zum Andenken an Alfred Nobel". Der Preis ist nicht unumstritten: So verlangt zum Beispiel die "Schwedische Akademie", die jährlich den Nobelpreis für Literatur vergibt, die Abschaffung der Wirtschaftsehrung, weil sie nicht wie die anderen auf das Testament Nobels zurück geht.



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