SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. Juli 2007, 06:55 Uhr

Wirtschaftsboom

Politiker fordern Entwicklungshilfe-Stopp für China

Zweistellige Wachstumsraten und bald schon Exportweltmeister - Chinas Wirtschaft boomt. Trotzdem kassiert die Volksrepublik millionenschwere Entwicklungshilfe aus Deutschland. Führende Politiker von CDU und FDP stellen die Zahlungen nun in Frage.

Berlin - Politiker aus Union und FDP fordern angesichts der boomenden Wirtschaft in China, die Zahlung deutscher Entwicklungshilfe an das Land einzustellen. Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, sagte der "Bild"-Zeitung: "Es gibt keinen Grund mehr, Entwicklungshilfe an China zu zahlen." China sei eine erfolgreiche High-Tech-Nation und kein Entwicklungsland, zitierte das Blatt den FDP-Politiker.

Auch sein Amtskollege von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte, die Bundesregierung müsse prüfen, ob weiter Entwicklungshilfe gezahlt werden müsse. Dem Bericht nach erhält China dieses Jahr 67,5 Millionen Euro vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die chinesische Wirtschaft legt derzeit mit zweistelligen Wachstumsraten zu und klebt Deutschland als weltweit drittgrößte Volkswirtschaft an den Fersen. Einer Prognose des DIHK zufolge wird China im nächsten Jahr Deutschland bereits den Titel des Exportweltmeisters abnehmen. DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke hatte dies zuletzt mit dem "rasanten Wirtschaftswachstum" begründet: "Chinas Ausfuhren werden 2007 und 2008 um jährlich über 20 Prozent zulegen."

Das chinesische Statistikamt in Peking hatte mitgeteilt, dass das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) so schnell wachse wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Nach Berechnungen der Behörde werde China schon bald Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den USA und Japan abgelöst haben.

Mit seiner Wirtschaftsleistung von rund 2,7 Billionen Dollar sitzt das ostasiatische Land Deutschland im Nacken, das 2006 auf etwa 2,9 Billionen Dollar kam. Pro Einwohner ist der Abstand zwischen beiden Ländern aber weiter enorm: Das BIP pro Kopf liegt in China bei rund 2000 Dollar und beträgt damit nur etwa sechs Prozent des deutschen Niveaus.

phw/Reuters/dpa/ddp

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung