Wirtschaftsexperten im US-Wahlkampf Die Kandidatenflüsterer

Bankenkrise, Hypothekenkrise, Kreditkartenkrise - kein Thema ist im Wahlkampf so wichtig wie der Niedergang der US-Wirtschaft. Hochkarätige Experten beraten Barack Obama und John McCain. SPIEGEL ONLINE stellt sie vor.

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Hamburg - Es gibt Sätze, die machen jede weitere Erklärung überflüssig: "The economy, stupid" schrieb James Carville, strategischer Wahlkampfberater von Ex-US-Präsident Bill Clinton, seinem Kandidaten 1992 auf ein Blatt Papier und hängte es ihm in sein Büro. Er konnte nicht ahnen, dass sein Satz nicht nur Wahlkampfgeschichte schreiben würde, sondern der Rat Clinton auch zum Wahlsieg verhelfen würde. Und dass der Satz auch heute, im aktuellen Wahlkampf, nichts von seiner Gültigkeit verloren hat.

Denn tatsächlich wird sich das Präsidentschaftsrennen zwischen dem demokratischen Bewerber Barack Obama und seinem republikanischen Konkurrenten John McCain vor allem am Thema Wirtschaft entscheiden - und das nicht erst, seit die Finanzkrise Mitte September einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Tatsächlich gelten vor allem die dramatisch steigenden Sprit- und Lebensmittelpreise und eine umfassende Krankenversicherung seit Beginn der Wahlkampagne als entscheidende Faktoren.

Obamas Wahlkampf hat sich deshalb von Anfang an auf die "Sorgen und Nöte des kleinen Mannes" ausgerichtet, sich auf Steuersenkungen für die Mittelschicht und Arbeitsplätze konzentriert. Erarbeitet wurde die Strategie von den "Chicago Boys" - junge Wirtschaftswissenschaftler der Universität von Chicago wie der 39-jährige Austan Goolsbee. Seit dem Ausscheiden seiner Konkurrentin Hillary Clinton hat Obama außerdem einige der wichtigsten wirtschaftspolitischen Berater aus ihrem Team übernommen. Darunter so hochkarätige Wirtschaftsexperten wie den ehemaligen Finanzminister Robert Rubin.

McCain hat sich dagegen mit dem Thema Wirtschaft lange schwer getan. Zwar versucht er seit einigen Wochen, sich mit Hilfe von "Joe, dem Klempner" volksnah zu geben. Zuvor hatte er in dem krisengeschüttelten Land allerdings eher für Verwirrung und Befremden gesorgt, als er ausgerechnet am Tag der Lehman-Pleite davon sprach, dass die Basis der amerikanischen Wirtschaft stark sei. Dabei war von Anfang an klar, dass er genau in diesem Punkt angreifbar ist. "McCain ist 72 Jahre alt, da sind die Wähler prinzipiell misstrauisch, ob so jemand überhaupt noch versteht, um was es in der Wirtschaft geht, ob so jemand ihre Sorgen und Nöte kennt", sagt Bill Whalen von der konservativen Hoover Institution.

Kein Wunder also, dass sich McCain schon vor Monaten auch erfolgreiche Unternehmenschefs in sein Wahlkampfteam geholt hat - unter anderem etwa die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman. Obama wiederum lässt sich unter anderem von der Investoren-Legende Warren Buffet beraten, vor allem, seit die weltweite Finanzkrise die Wirtschaft endgültig zum wichtigsten Wahlkampfthema hat werden lassen.

SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Wirtschaftsberater der beiden Kandidaten vor:



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