Wirtschaftskrise Deutscher Industrie brechen die Aufträge weg

Die globale Wirtschaftskrise trifft die deutsche Industrie mit Wucht: Im November brachen die Auftragseingänge erneut um sechs Prozent ein - deutlich stärker als Ökonomen erwartet hatten. Im Jahresvergleich beträgt das Minus sogar knapp 30 Prozent, und auch die Exporte gingen stark zurück.


Berlin - Mit einem Rückgang der Industrie-Auftragseingänge von sechs Prozent hatten Volkswirte kaum gerechnet. Bereinigt um Preis- und jahreszeitliche Effekte waren sie von einem Minus von 1,1 bis 1,6 Prozent ausgegangen - und ohne besonders viele Großaufträge wäre der Einbruch noch heftiger ausgefallen.

Industrieproduktion: Vor allem die Inlandsnachfrage sank drastisch
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Industrieproduktion: Vor allem die Inlandsnachfrage sank drastisch

Nach vorläufigen Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums betrug der Rückgang im November 2008 im Vergleich zum Vormonat sechs Prozent. Schon im Oktober war der Auftragseingang um 6,3 Prozent gesunken. Im Vergleich zum November 2007 mussten die Konzerne sogar ein Minus von 27,2 Prozent verkraften.

Die Inlandsnachfrage ging im November 2008 um 7,6 Prozent, die Bestellungen aus dem Ausland um 4,4 Prozent zurück. Insgesamt bleiben die Aussichten düster. Die Nachfrage im In- und Ausland nehme "auf breiter Front" ab, berichtete das Ministerium. Deshalb werde die Industrieproduktion in den kommenden Monaten deutlich schrumpfen. In den vergangenen zwölf Monaten zog die Industrie nur einmal mehr Aufträge an Land als im Vorjahresmonat. Eine so lange Durststrecke habe es bislang noch nicht gegeben.

Regierung plant Rettungsschirm

Das größte Minus mussten die Produzenten von Vorleistungsgütern verkraften. Deren Neuaufträge gingen um 9,5 Prozent zurück. Bei den Herstellern von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen und anderen Investitionsgütern brach das Neugeschäft um 4,2 Prozent ein. Die Konsumgüterproduzenten meldeten ein Minus von 1,3 Prozent.

Im weniger stark schwankenden Zwei-Monats-Vergleich (Oktober/November zu August/September) sanken die Aufträge um 13,1 Prozent. Das Volumen lag damit um 22,4 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. Der Auftragseingang ist neben der Produktion der wichtigste realwirtschaftliche Konjunkturindikator.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, dass die Bundesregierung einen Rettungsschirm für Industrieunternehmen plane. Ähnlich wie beim Bankenrettungsschirm solle der Bund vor allem Bürgschaften für im Grund gesunde Unternehmen geben, die in Kreditnot seien, sagte Glos am Donnerstag in Wildbad Kreuth.

Auch die Exportwirtschaft ist im November drastisch eingebrochen - im Vergleich zum Vormonat um 10,6 Prozent, so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Besonders stark gingen Exporte in andere EU-Länder zurück.

Exportgeschäft nimmt deutlich ab

Im November 2008 wurden Waren im Wert von 77,1 Milliarden Euro ausgeführt. Im Vergleich zum November 2007 stürzten die Exporte damit um 11,8 Prozent ab, so tief wie noch nie seit Oktober 1993. Damit fielen die Ausfuhren aus Deutschland weitaus deutlicher als von den meisten Beobachtern zuvor erwartet. Auch der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) hatte vor wenigen Tagen noch verkündet, es werde beim Export im November und Dezember zu einer "rückläufigen Entwicklung" kommen, allerdings nicht zu einem Einbruch.

Deutschland als größte Exportnation der Welt ist besonders von den Ausfuhren abhängig. Angesichts der chronischen Zurückhaltung der deutschen Verbraucher beim heimischen Konsum trifft ein Rückgang beim Export die deutsche Wirtschaft besonders stark. Deutschland steckt seit dem Herbst in einer Rezession.

Laut den jüngsten Prognosen könnte für das laufende Jahr ein deutliches Minus bei der Wirtschaftsleistung von zwischen zwei und vier Prozent unter dem Strich stehen. Das Bundeswirtschaftsministerium schließt einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts hierzulande von bis zu drei Prozent nicht aus.

kaz/dpa/AFP/Reuters



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