Wirtschaftskrise Einzelhändler fürchten Pleitewelle

Im Einzelhandel grassiert die Furcht vor einem Horrorjahr: Verbandsvertreter warnen vor einer Vielzahl von Insolvenzen. Grund dafür sei der drohende Abschwung - und die Steuerpolitik der Bundesregierung.


Berlin/Düsseldorf - Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) befürchtet für dieses Jahr eine Pleitewelle in der Branche. Durch Änderungen bei der Gewerbesteuer stünden Tausende Fachgeschäfte vor dem Aus, sagte Verbandspräsident Josef Sanktjohanser der "Bild"-Zeitung.

Rabattaktion im Handel: "Absurde Steuerpolitik"
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Rabattaktion im Handel: "Absurde Steuerpolitik"

Als Grund nannte der HDE-Chef die Abgabenpolitik der Großen Koalition: "Die Regierung besteuert ab diesem Jahr die Ausgaben für die Ladenmiete. Deshalb müssen die Unternehmen deutlich mehr Gewerbesteuer zahlen, auch wenn sie wegen der Wirtschaftskrise keinen Gewinn mehr machen."

Der Verbandschef forderte die Bundesregierung auf, die "absurde Steuerpolitik" zu beenden und die Reform der Gewerbesteuer im nächsten Konjunkturpaket rückgängig zu machen. "Sonst treibt der Staat Tausende mittelständische Fachgeschäfte in den Ruin", sagte Sanktjohanser. Um den Konsum anzukurbeln, hatte sich der HDE erst kürzlich für eine Steuersenkung vor allem bei den mittleren Einkommen ausgesprochen. So könne beispielsweise der Solidaritätszuschlag abgeschafft werden.

Schon das vergangene Jahr war für den Einzelhandel schwierig und von spektakulären Pleiten gekennzeichnet. Unter anderem mussten die Kaufhausketten Hertie, SinnLeffers oder Wehmeyer Insolvenz anmelden. Zwar wuchs der Branchenumsatz nominell noch um 1,5 Prozent auf rund 400 Milliarden Euro, berücksichtigt man aber die Preissteigerung, ergibt sich gegenüber 2007 ein Minus von rund einem Prozent.

Mit Blick auf das beginnende Jahr hatte Sanktjohanser bereits erklärt: "2009 wäre eine nominelle Stagnation schon ein Erfolg." Dabei dürften einige Handelsunternehmen allerdings besser abschneiden als der Branchenrest. Vor allem jene Unternehmen, die billiger und schneller sind oder edlere Angebote präsentieren, dürften profitieren. Problematisch dürfte es für die klassischen Kaufhäuser werden, die im mittleren Preissegment agieren.

Als sichere Gewinner der Krise gelten Branchenexperten zufolge daher vor allem die Discounter - egal ob im Lebensmittel- oder Textilhandel. Aldi, Lidl, Kik und Co. dürften davon profitieren, dass die Verbraucher in unsicheren Zeiten lieber ihr Geld zusammenhalten.

Nach einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young führt die Wirtschaftskrise bereits zu einer spürbaren Veränderung des Einkaufsverhaltens der Bundesbürger. Zwei Drittel der Verbraucher achtet stärker auf den Preis und auf Sonderangebote, fast die Hälfte der Konsumenten kauft häufiger beim Discounter.

suc/dpa-AFX/AP



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