Wirtschaftskrise Fed-Zinssenkung lässt Asien nur kurz feiern

Asiens Börsen haben auf die historische Leitzinssenkung in den USA auf bis zu null Prozent nur verhalten reagiert. In Tokio legte der Nikkei-Index zwar am Anfang kräftig zu. Doch dann verpuffte der Impuls auch schnell wieder.


Tokio/New York - Die Euphorie nach der spektakulären Zinssenkung der US-Notenbank Fed hielt in Fernost nicht lange an. An Tokios Börse legte der Nikkei Chart zeigen-Index am Vormittag zwar zeitweise um zwei Prozent zu. Doch später wurden die Gewinne größtenteils wieder abgegeben. Zu Börsenschluss stand der Nikkei 0,52 Prozent im Plus bei 8.612 Punkten. Der breit gefasste Topix gewann 1,19 Prozent auf 838 Zähler.

Börsenhandel in Tokio: Nur kurz Impuls durch die Fed Bank
AP

Börsenhandel in Tokio: Nur kurz Impuls durch die Fed Bank

Zu den klaren Verlierern gehörte der Autohersteller Honda Chart zeigen. In Erwartung einer Gewinnwarnung gaben die Aktien um mehr als fünf Prozent nach. Der zweitgrößte japanische Autobauer hat seine Gewinnprognose zum dritten Mal in fünf Monaten gesenkt. Für das Geschäftsjahr 2008/2009 rechnet der Konzern nun nur noch mit dem Verkauf von 3,65 Millionen Fahrzeugen. Bisher war Honda von über vier Millionen Autos ausgegangen. Der Gewinn werde 185 Billionen Yen statt wie bisher 485 Billionen Yen betragen, erklärte Honda am Mittwoch.

Die historische Zinssenkung der US-Notenbank Fed hatte die US-Börsen am Dienstag auf einen Höhenflug geschickt. In einem einmaligen Schritt kappte die Notenbank ihren Leitzins stärker als erwartet auf ein Zielband von null bis 0,25 Prozent von zuvor 1,0 Prozent. Der Dow Jones Chart zeigen ging daraufhin mit einem kräftigen Plus von 4,2 Prozent bei 8924 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 legte 5,1 Prozent auf 913 Zähler zu und schloss damit auf seinem höchsten Stand seit dem 10. November. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen kletterte 5,4 Prozent.

Die Fed hatte angekündigt, sie werde "alle verfügbaren Mittel" einsetzen, um die schlimmste Finanzkrise seit mehr als sieben Jahrzehnten zu überwinden und eine lang anhaltende Rezession zu vermeiden.

Der Leitzins ist der fundamentale Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Je niedriger der Zinssatz ist, desto leichter können Kredite vergeben werden. Auf diese Weise sollen Unternehmen zu Investitionen angeregt werden.

Für die Amerikaner wird es nun billiger, Kredite aufzunehmen und ihre Hypotheken zu bezahlen. Die Geschäftsbanken Wells Fargo, Wachovia Chart zeigen und U.S. Bancorp senkten nach der Entscheidung der Fed ihre Kreditzinsen von 4 auf 3,25 Prozent. Experten erklärten jedoch, dass viele Bürger aus Sorge um den Zustand der Wirtschaft und ihre Arbeitsplätze trotz des Zinssignals vor der Aufnahme neuer Kredite zurückscheuen könnten.

Mit ihrer Zinsentscheidung ging die Führung der Notenbank unter Leitung ihres Präsidenten Ben Bernanke noch weiter, als allgemein erwartet worden war. Analysten hatten mit einer Verringerung des Leitzinses auf 0,5 Prozent gerechnet. Die Zinsentscheidung fiel nach Abschluss zweitägiger Beratungen des Offenmarktausschusses der Fed.

Es war das erste Mal, dass die Fed eine Spannbreite für die Leitzinsen festlegte. Die letzte Zinssenkung war im Oktober mit einer Verringerung des Zinssatzes um 0,5 Prozentpunkte erfolgt. Die Notenbank deutete an, dass der jetzt beschlossene Zinssatz über eine längere Zeit gehalten werden solle.

Finanzspezialisten interpretierten den außergewöhnlichen Schritt der Notenbank als Abkehr von der bisherigen Zinspolitik. Die Risiken eines Abgleitens der US-Wirtschaft in eine deflationäre Krise werden als so hoch eingeschätzt, dass die Fed jetzt mit voller Kraft Liquidität in die Märkte pumpe und alle Rücksichten fallen lasse, erklärte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. "In letzter Konsequenz heißt das, dass die Fed Geldpolitik jetzt über die Notenpresse betreibt."

Die US-Wirtschaft droht, immer tiefer in die Rezession zu sinken. Seit Dezember vergangenen Jahres sind etwa zwei Millionen Arbeitsplätze verlorengegangen. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,7 Prozent, der höchsten Quote seit den dreißiger Jahren in den USA. Die Jahresinflationsrate sank im November auf nur noch 1,1 Prozent.

Eine sinkende Inflation hat den Spielraum der Notenbank bei der Zinsentscheidung vergrößert. Die Verbraucherpreise in den USA sind im November so stark gesunken wie seit 61 Jahren nicht mehr. Vor allem der deutliche Rückgang der Energiekosten führte dazu, dass die Verbraucherpreise binnen Monatsfrist um 1,7 Prozent sanken, wie das Handelsministerium am Dienstag berichtete.

Bereits seit August 2007 hatte die Fed ihren Leitzins in mehreren Schritten von damals 5,25 Prozent gesenkt, so Ende Oktober um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Zins am 4. Dezember auf 2,5 Prozent festgelegt.

als/ssu/AP/dpa/Reuters



insgesamt 251 Beiträge
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Seite 1
Michael Giertz, 16.12.2008
1. Nix
Zitat von sysopHistorische Zinssenkung in den USA: Notenbankchef Ben Bernanke treibt die Leitzinsen weiter nach unten als von den meisten Experten erwartet. Künftig liegen sie zwischen 0 und 0,25 Prozent - so niedrig wie nie zuvor. Kann dies der kriselnden Wirtschaft helfen?
Nichts, wenn Banken keine Kredite ausgeben, weil sie jetzt ins andere Extrem verfallen und GAR keine Risiken mehr eingehen wollen.
Adran, 16.12.2008
2.
Zitat von sysopHistorische Zinssenkung in den USA: Notenbankchef Ben Bernanke treibt die Leitzinsen weiter nach unten als von den meisten Experten erwartet. Künftig liegen sie zwischen 0 und 0,25 Prozent - so niedrig wie nie zuvor. Kann dies der kriselnden Wirtschaft helfen?
Nein kann sie nicht.. hat shon die BoJ jahrelang probiert. Resultat, sie kann Zinsen erhöhen und senken wie sie will, dass interessiert keinen mehr. FED erleidet nun das gleiche Schicksal, und Heli-ben kann schon mal seine Hubschrauber starten! ;)
interessierter.leser, 16.12.2008
3. "Kostenloses" Geld
schafft kein Vertrauen sondern nur noch mehr Verunsicherung. In Japan ist dieses Experiment ueber lange Jahre hinweg schiefgelaufen, und in den USA wird es nicht anders sein. Allenfalls koennte man in den USA erwarten dass die Wirtschaft dort nach einer dank der 0+% kurzen Deflationsphase in der zweiten Jahreshaelfte 2009 direkt in die Hyperinflation schwenkt und damit auch den letzten Rest an Privatvermoegen ausradiert. Heli Ben hat seine letzte Karte ins Spiel gebracht und auch die wird nichts von dem bewirken was man sich davon erhofft.
Stramonium, 16.12.2008
4.
Zitat von sysopHistorische Zinssenkung in den USA: Notenbankchef Ben Bernanke treibt die Leitzinsen weiter nach unten als von den meisten Experten erwartet. Künftig liegen sie zwischen 0 und 0,25 Prozent - so niedrig wie nie zuvor. Kann dies der kriselnden Wirtschaft helfen?
die usa kann weder 0 Zins noch obama noch retten, die sind pleite, mangels fähigkeit zu wirtschaftlicher eigenleistung
Nihil, 16.12.2008
5.
Zitat von AdranNein kann sie nicht.. hat shon die BoJ jahrelang probiert. Resultat, sie kann Zinsen erhöhen und senken wie sie will, dass interessiert keinen mehr. FED erleidet nun das gleiche Schicksal, und Heli-ben kann schon mal seine Hubschrauber starten! ;)
Er startet sie schon. Steht alles im Artikel. Die Fed kauft den Giftmüll der Hypothekenanleihen auf und gibt dafür Dollar nicht zum Markt- sondern zum Nennwert. Demnächst kauft sie Staatsanleihen. Direkt vom Staat. Adios, Dollar, grüße den Zimbabwe-Dollar, sobald du ihn triffst.
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