Wirtschaftskrise Hedgefonds-Chef begräbt größtes Windkraft-Projekt der Welt

T. Boone Pickens wollte die weltweit größte Windfarm bauen. Dann kamen ihm die Finanzkrise und der Absturz des Ölpreises in die Quere. Jetzt hat er Ex-Ölbaron seine Energie-Utopie begraben - und wartet gleich mit einer neuen auf.

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Hamburg - Es ist das Ende eines Traums: T. Boone Pickens, Ölmilliardär und Großinvestor für Windenergie, wollte sich zum Ché Guevara der US-Energie-Revolution aufschwingen. Seit Juli 2008 ging er mit einem gigantischen Energieprojekt hausieren, über das angeblich bis zu 20 Prozent des US-Stromverbrauchs gedeckt werden sollten.

T. Boone Pickens: Das Ende eines Traums
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T. Boone Pickens: Das Ende eines Traums

Jetzt ist die Utopie von der weltgrößten Windfarm geplatzt. Der 80-jährige Chef des Hedgefonds BP Capital Management hat das Projekt aufgegeben. Einer seiner Sprecher bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht der "Dallas Morning News". Statt einer großen Windfarm wolle er nun fünf bis sechs kleinere bauen, im mittleren Westen Amerikas und eventuell in Texas, berichtet die Zeitung. Genaue Orte seien noch nicht definiert.

Damit ist ein wichtiger Teil des sogenannten "Pickens Plan" dahin. Dieser sah für die kommenden zehn Jahre Investitionen über 150 Milliarden Dollar in Windenergie und Biokraftstoffe vor. Pickens wollte damit die USA von Ölimporten aus dem Ausland unabhängiger machen. Allein die Marketingkampagne, mit der er das Projekt bekannt machte, verschlang 58 Millionen Dollar.

Pickens' Projekt stieß auf breite Unterstützung. Kritiker bezeichneten das Vorhaben allerdings schon im vergangenen Sommer als "wahnwitzig". Allerdings stieg der Ölpreis zu dieser Zeit auf ein Rekordhoch von bis zu 147 Dollar pro Barrel (159 Liter) - was die Zahl der Befürworter vergrößerte. Dann kam die Weltwirtschaftskrise, der Ölpreis stürzte auf ein Drittel seines Wertes, und Investoren sprangen ab. Immer wieder verschob der Ex-Öl-Baron seine Öko-Offensive.

Hinzu kamen logistische Probleme. Zwar will der Staat Texas den Bau von Energieleitungen im Wert von gut fünf Milliarden Dollar finanzieren - doch diese erreichen nicht die riesige Landfläche in der Nähe der Stadt Pampa, deren Besitzrechte Pickens für seine Windfarm hält. Der Hedge-Fond-Boss hatte angekündigt, die nötigen Leitungen notfalls selbst zu bauen, räumte aber nun im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP ein, wegen "technischer Probleme" davon abzusehen.

Im Oktober 2008 gab Pickens in der CBS-News-Sendung "60 Minutes" zu, dass sein Hedgefonds BP Capital Management in bis zu zwei Milliarden Dollar abschreiben musste. Laut "Wall Street Journal" verlor Pickens selbst rund 400 Millionen Dollar durch sein Projekt.

Pickens hat nun ein massives Problem, denn er hat bereits Windturbinen im Wert von zwei Milliarden Dollar beim Technologiekonzern General Electric bestellt. Bis 2011 sollen die Turbinen geliefert werden. Pickens bleiben also 18 Monate, um einen Platz zu finden, wo er sie aufstellen kann. "Ich habe keine Garage, die groß genug ist, um die Dinger zu parken", sagte der Hedge-Fonds-Chef Ende März auf dem Global Technology Symposium an der Stanford Universität im kalifornischen Palo Alto.



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