Wirtschaftskrise Produktion schrumpft im sechsten Monat in Folge

Keine Anzeichen für wirtschaftliche Erholung: Die Produktion in Industrie, Bau- und Energiewirtschaft ist im Februar stärker als erwartet eingebrochen, die Europäische Zentralbank dämpft die Erwartungen auf einen Aufschwung. Erst 2010 werde die Konjunktur sich allmählich erholen.


Berlin/Frankfurt am Main - Die Lage der deutschen Wirtschaft bleibt düster: Im Februar schrumpfte die Produktion im verarbeitenden Gewerbe stärker als erwartet. Die Gesamtproduktion sei preis- und saisonbereinigt um 2,9 Prozent zurückgegangen, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Es ist bereits der sechste Rückgang in Folge. Volkswirte hatten mit einem abermaligen Minus gerechnet, dieses aber auf nur 2,5 Prozent veranschlagt.

Bauarbeiter in Frankfurt: Produktion schrumpft zum sechsten Mal in Folge
DPA

Bauarbeiter in Frankfurt: Produktion schrumpft zum sechsten Mal in Folge

Die Europäische Zentralbank hat in ihrem Monatbericht April auch die Hoffnungen auf ein vorzeitiges Abschwächen der Krise gedämpft: Erst für 2010 erwartet die EZB eine allmähliche Erholung der Konjunktur. Im laufenden Jahr dürfte die Nachfrage weltweit sehr schwach bleiben, die Wirtschaft befinde sich sowohl global als auch im Euro-Raum "in einem schwerwiegenden Abschwung".

Die Notenbank hatte vor einer Woche den Leitzins im Euro-Raum um 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent gesenkt. Obwohl dies der niedrigste Stand seit dem Zweiten Weltkrieg ist, fiel der Zinsschritt geringer aus als erwartet. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet schließt jedoch eine weitere Senkung nicht aus. Als Untergrenze hatten Notenbanker 1,0 Prozent genannt. Eine Null-Zins-Politik, wie sie etwa in den USA derzeit gilt, lehnt die EZB ab.

Die Notenbank warnt, dass sich die seit nunmehr fast zwei Jahren anhaltenden Finanzmarktturbulenzen noch stärker auf die Realwirtschaft auswirken könnten. Zudem bestehe die Gefahr, dass Protektionismus die Probleme noch verstärken "und es in der Weltwirtschaft aufgrund einer ungeordneten Korrektur globaler Ungleichgewichte zu ungünstigen Entwicklungen kommen könnte", schreiben die EZB-Experten. Insgesamt jedoch seien die Risiken für die Konjunkturentwicklung "weitgehend ausgewogen".

Industrieproduktion schrumpft, Baugewerbe leicht erholt

Für den Rückgang der Produktion im Februar war vor allem die Industriesparte verantwortlich (minus 3,3 Prozent). Dagegen zeigte sich die Produktion im Bauhauptgewerbe etwas erholt (plus 1,9 Prozent). "Angesichts der zuletzt noch sinkenden Auftragseingänge dürfte die Industrieproduktion auch in den kommenden Monaten weiter schwach bleiben", hieß es aus dem Ministerium.

In allen industriellen Hauptgruppen ging die Produktion zurück. Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern sank die Produktion um 1,9 Prozent, bei den Herstellern von Investitionsgütern um 4,5 Prozent und bei den Konsumgüterherstellern um 3,6 Prozent.

Im Zweimonatsvergleich nahm die Erzeugung im produzierenden Gewerbe preis- und saisonbereinigt deutlich um 9,2 Prozent ab. Zum Vorjahr sank die Produktion im Zweimonatszeitraum (Januar/Februar) arbeitstäglich bereinigt um 19,3 Prozent. Die Industrieproduktion fiel um 20,8 Prozent und die Erzeugung im Bauhauptgewerbe um 23,0 Prozent zurück.

Allianz sieht Anzeichen für Stabilisierung

Der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, sieht indes erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltkonjunktur. Das werde sich auch auf Deutschland auswirken, sagte Heise den "VDI Nachrichten": "Mit einer deutlichen Erholung im weiteren Verlauf des Jahres werden wir bei minus drei Prozent landen." Es spreche einiges dafür, dass "sich die langsam anlaufende Stabilisierung der Finanzmärkte fortsetzt". Das würde die Kehrtwende der Wirtschaft unterstützen. Damit prognostiziert Heise einen deutlich niedrigeren Einbruch als viele Konjunkturexperten.

Heise zeigte sich optimistisch, dass die USA schon in diesem Jahr die Talsohle erreichen werden und die Konjunktur 2010 wieder anzieht. So stehe der US-amerikanische Immobilienmarkt "kurz vor der Wende". Von der Entspannung am Immobilienmarkt dürften auch die Banken profitieren. Zudem sei in den nächsten Monaten mit einer Stabilisierung der Bauproduktion zu rechnen. "Damit entfällt einer der stärksten Belastungsfaktoren."

Schließlich würden auch die stark gesunkenen Rohstoffpreise und das riesige Konjunkturpaket in China der Weltkonjunktur helfen, sagte Heise weiter und mahnte Konjunkturpessimisten: "Man darf sich als Prognostiker nicht nur an den aktuellen Indikatoren und Produktionsdaten orientieren, sonst kommt man leicht zu solchen Horrorzahlen."

cte/Reuters/dpa-AFX/ddp



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