Erstes Quartal Wirtschaftsleistung in der Eurozone sinkt um 3,8 Prozent

Die Coronakrise hat sich bereits in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich auf die Wirtschaftsleistung in Europa ausgewirkt. Der Rückgang war der stärkste seit Beginn der Messung.
Containerschiff in Europas größtem Hafen in Rotterdam

Containerschiff in Europas größtem Hafen in Rotterdam

Foto: © Jerry Lampen / Reuters/ REUTERS

Die Coronakrise hat Europas Wirtschaft bereits erheblich schrumpfen lassen. Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone aus 19 Staaten sank im ersten Quartal (Januar bis März) um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte . In der gesamten EU aus 27 Staaten schrumpfte die Wirtschaft in dem Zeitraum um 3,5 Prozent.

In beiden Fällen sind dies Eurostat zufolge die stärksten Rückgänge seit Beginn der Erfassung im Jahr 1995. Die Statistiker verwiesen darauf, dass die Mitgliedstaaten im März begonnen hatten, Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie zu verordnen.

Dadurch sind weite Teile der europäischen Wirtschaft zum Erliegen gekommen. Fabriken schickten ihre Mitarbeiter nach Hause und Geschäfte mussten schließen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern.

Im Quartal vor der Coronakrise Ende 2019 hatte hatte die Wirtschaft in der Eurozone noch einen leichten Zuwachs um 0,1 Prozent verzeichnet. In der gesamten EU waren es 0,2 Prozent.

Arbeitslosigkeit steigt nur leicht

Trotz des Rückgangs der Wirtschaftsleistung ist die Arbeitslosigkeit in der Eurozone im März auf den ersten Blick nur leicht angestiegen. Das lag aber vor allem daran, dass den Angaben zufolge ein erheblicher Teil der Personen wegen der Einschränkungen des öffentlichen Lebens oder der Nichtverfügbarkeit etwa von Kinderbetreuung nicht mehr aktiv nach einem Arbeitsplatz gesucht habe. Dies kann zu Abweichungen in der Arbeitslosenstatistik führen.

Eurostat zufolge erhöhte sich die Arbeitslosenquote von Februar auf März in den 19 Euroländern um 0,1 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent. In den EU-Ländern stieg die Quote ebenfalls um 0,1 Punkte auf 6,6 Prozent. In der EU seien 14,14 Millionen Personen arbeitslos gewesen, davon 12,16 Millionen im Euroraum. Gegenüber Februar erhöhten sich die Zahlen in der EU um 241.000 und im Euroraum um 197.000.

Inflation geht weiter zurück

Die Verbraucherpreise lagen im März 0,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Vormonat hatte die Inflationsrate noch 0,7 Prozent betragen. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Lebenshaltungskosten um 0,3 Prozent. Günstiger als im Vorjahresmonat war vor allem Energie, für die 9,6 Prozent weniger bezahlt werden musste.

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Deutlich teurer waren dagegen Lebensmittel. Die Preise unverarbeiteter Nahrungsmittel stiegen im Schnitt um 7,7 Prozent zum Vorjahresmonat. Dienstleistungen und Industriegüter verteuerten sich dagegen deutlich schwächer. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel betrug 0,9 Prozent.

Die Inflation liegt damit deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von mittelfristig knapp zwei Prozent. Experten gehen davon aus, dass sie sich in den kommenden Monaten weiter abschwächt.

kko/AFP/dpa
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