Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann (1991 bis 1993)

Mit dem Amt des Wirtschaftsministers wird Jürgen Möllemann zum Doppelminister, war er doch bereits seit 1987 auch für Bildung zuständig. Ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit war die ökonomische und finanzielle Bewältigung der deutschen Einheit. Tatsächlich zog er als einer der ersten Bundesminister die Konsequenzen aus der "Steuerlüge" der Koalition und räumte im Frühjahr 1991 ein, dass Steuererhöhungen zur Finanzierung der deutschen Einheit unvermeidlich seien.

Im Februar 1991 legte er das Strategiepapier "Aufschwung Ost" vor, das in zehn Punkten Vorschläge zur Wirtschaftsförderung in den neuen Ländern zusammenfasste. Außerdem stritt der FDP-Politiker für eine investorenfreundliche Regelung der Eigentumsfragen im Osten. Um Steuererhöhungen und eine weitere Verschuldung zu begrenzen, forderte er außerdem im März 1991 den Subventionsabbau von 30 Milliarden Mark und machte von einem entsprechenden Beschluss der Bundesregierung ultimativ sein Verbleiben im Amt abhängig.

Immer wieder geriet Möllemann ins Kreuzfeuer gewerkschaftlicher und parteiinterner Kritik, etwa weil er 1992 vorschlug, durch ein Vorziehen des Beamtenbesoldungsgesetzes ein tarifpolitisches Leitsignal (die "Vier vor dem Komma") zu setzen. Streit gab es auch um seine Initiative, das Vermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit aufzuheben und gewerbsmäßige private Arbeitsvermittlung zuzulassen.

Obwohl er alle Wirren - auch innerhalb seiner Partei - übersteht, muss Möllemann zum Jahresanfang 1993 zurücktreten. Er hatte sich auf amtlichem Papier mit Werbeschreiben bei deutschen Handelsketten für ein Produkt (Einkaufswagen-Chips) seines angeheirateten Vetters eingesetzt. Der Skandal geht als sogenannte "Briefbogen-Affäre" in die Politikgeschichte ein. Möllemann wechselte nach seinem Rücktritt als Unternehmer in die freie Wirtschaft und blieb bis zu seinem Tod im Sommer 2003 politisch aktiv.

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