Wirtschaftspolitiker Christian Wulff Meister des kontrollierten Foulspiels

Der Machtkampf mit Porsche-Chef Wiedeking, die Rückabwicklung der Conti-Übernahme: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff reüssiert mit aktiver Wirtschaftspolitik. Der CDU-Politiker hängt die Rivalen Koch und Rüttgers ab - und mausert sich zu Deutschlands oberstem Polit-Manager.

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Berlin - Den Mann zu provozieren, das gelingt nicht. Ob bei einem Wahlkampfauftritt oder im Fernsehstudio bei Anne Will - stets präsentiert sich Christian Wulff mit der gleichen Langmut. Enervierende Fragen, emotionale Einwände oder grobe Unterstellungen pariert der niedersächsische Ministerpräsident im immer gleichen, ruhigen Tonfall.

Niedersachsens Ministerpräsident Wulff: Zur Not harte Bandagen
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Niedersachsens Ministerpräsident Wulff: Zur Not harte Bandagen

Kein Wunder, dass die Zeitungsarchive nur wenig Aufregendes über den CDU-Politiker hergeben. Außer den ewig gleichlautenden Beschreibungen über seinen Charakter, seine Geradlinigkeit und seine seriöse Gestaltung von Politik - Langeweile pur eben.

Dabei scheint dem Mann derzeit alles zu gelingen: Die Attacke der fränkischen Schaeffler-Gruppe auf das niedersächsische Unternehmen Continental - mit seiner Hilfe zunächst abgewehrt. Der Machtkampf mit Porsche um das VW-Gesetz - so gut wie gewonnen. Hat der CDU-Politiker einfach nur Glück? Oder steckt mehr dahinter? Wulff - der beste Polit-Manager Deutschlands?

Fest steht: Wulff ist mit seiner bedächtigen Art präsenter als so polternde Widersacher wie SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel, genannt Siggi Pop, der die politische Landschaft mit Sprüchen und demonstrativem Tatendrang aufmischt. Wulff lächelt über Vergleiche mit Politikerkollegen - genauso, wie er all die Provokationen weglächelt, die ihn aus der Reserve locken sollen.

"Vergleichen Sie mich mit Frank-Walter Steinmeier", sagt er. "Ein guter Kollege, mit dem ich mich bestens verstehe." Ein Vergleich, der Wulffs parteiinternem Rivalen Roland Koch nie eingefallen wäre. Der aber durchaus passend erscheint, demonstriert doch auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier seine fehlende Routine in Sachen Gemeinheit und Bissigkeit jedesmal aufs Neue, wenn er den politischen Gegner angeht.

Natürlich hat ein Mann wie Wulff Gegner - solche, die sich wegdrehen, wenn sie nur seinen Namen hören. Fragt man aber genauer nach, was sie ihm vorwerfen, dann lautet die Antwort regelmäßig: "Irgendwas gibt's da immer. Wer in der CDU solche Macht hat, muss einige Gegner ausgeschaltet haben." Konkreter werden die Vorwürfe nie.

Bekenntnis zur Marktwirtschaft

Wer ist dieser Wulff also, der in Sachen Wirtschaftskompetenz selbst den Schwaben und bekennenden Porsche-Fan Günther Oettinger abzuhängen scheint? Dem Unternehmer wie Gewerkschafter, Politiker aus Union und SPD, ja sogar Grüne eine exzellente Politik bescheinigen?

Er selbst flüchtet auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis in einen Faktenrapport: Die im Wulff-County Niedersachsen beheimateten Dax-Konzerne haben die Rezession weit besser überstanden als ihre Konkurrenten, die Arbeitslosenquote liegt unter dem Bundesdurchschnitt. Und er liefert natürlich konkrete Beispiele, wie etwa das des insolventen Autozulieferers Stankiewicz, für den er angeblich eigens bei Daimler-Chef Dieter Zetsche anrief, um eine vorzeitige Zahlung für Lieferungen zu erreichen. Das Insolvenzverfahren konnte so erfolgreich zu Ende gebracht werden, etliche Arbeitsplätze blieben erhalten.

Wirtschaftsliberal - und Arbeiterführer

Trotzdem ist seine wirtschaftspolitische Weltanschauung weit schwieriger zu beschreiben als die seiner CDU-Kollegen Roland Koch aus Hessen (wirtschaftsliberal) und Jürgen Rüttgers aus Nordrhein-Westfalen (Arbeiterführer). Spricht man ihn darauf an, so bekräftigt er immer noch sein Bekenntnis zum freien Markt, wie er es als junger Wilder einst tat; doch die Zusatzerklärungen, die er nach nunmehr sechs Jahren im Amt des Ministerpräsidenten nachschiebt, klingen viel mehr nach Pragmatismus, nach gelebtem Politikalltag, in dem die Suche nach Mehrheiten auch die Verlierer des freien Marktes mit einbeziehen muss.

Wirtschaftsliberal und Arbeiterführer - das scheint das Wulffsche Geheimnis zu ein. Dabei gelingt es dem Christdemokraten immer wieder, den Einsatz für die Arbeiter als bruchlose Fortsetzung seiner seit jeher formulierten Maxime darzustellen: Aufgabe des Staates sei es, die Bedingungen zu schaffen, die allen Beteiligten ein Maximum an freier Entfaltung gewährleisten. "Wir stellen sozusagen die Autobahn bereit, fahren müssen die Akteure dann selbst", erklärt er.

Im Prinzip lehnt Wulff staatliche Eingriffe, die allen ökonomischen Gesetzen widersprechen, ab. Trotzdem verteidigt er mit Vehemenz die Interessen des Unternehmens Volkswagen, in dessen Aufsichtsrat er sitzt. Ein Widerspruch? Nicht für ihn.



insgesamt 221 Beiträge
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Seite 1
AberHallo 13.07.2009
1. gLÜCK
Zitat von sysopNiedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff scheint derzeit alles zu gelingen. Die Schaeffler-Attacke auf Continental - abgewehrt. Der Machtkampf mit Porsche um Volkswagen - so gut wie gewonnen. Hat der CDU-Politiker einfach nur Glück? Oder steckt mehr dahinter?
Der Mann redet auch manchen Unsinn. Man denke nur, an die Mär mit dem Truppenübungsplatz. Das Üben im Ausland ist um einen Faktor 20 teurer. Und wer soll das bezahlen?
Reziprozität 13.07.2009
2.
Zitat von sysopNiedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff scheint derzeit alles zu gelingen. Die Schaeffler-Attacke auf Continental - abgewehrt. Der Machtkampf mit Porsche um Volkswagen - so gut wie gewonnen. Hat der CDU-Politiker einfach nur Glück? Oder steckt mehr dahinter?
Das Sommerloch ist da.
bürgerschreck 13.07.2009
3.
Zitat von sysopNiedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff scheint derzeit alles zu gelingen. Die Schaeffler-Attacke auf Continental - abgewehrt. Der Machtkampf mit Porsche um Volkswagen - so gut wie gewonnen. Hat der CDU-Politiker einfach nur Glück? Oder steckt mehr dahinter?
Wulff ist einfach ein unerträglicher Aufschneider. Er hat gar nichts erreicht, sondern die Finanzkrise hat Scheffler und Porsche gestoppt. Cool wäre es gewesen, wenn er bei Kursen von 1000 Euro Volkswagenaktien verkauft hätte, um den Landeshaushalt für alle Zeiten zu sanieren. Dann wäre er ein guter Manager. Aber nene, dann wäre er ja einen tollen Posten im Aufsichsrat los und hätte eine Bühne weniger sich zu produzieren.
bürgerschreck 13.07.2009
4.
Zitat von ReziprozitätDas Sommerloch ist da.
Aber ist Christian W. nicht ein wenig zu winzig, um das zu füllen?
freqnasty, 13.07.2009
5.
Zitat von bürgerschreckWulff ist einfach ein unerträglicher Aufschneider. Er hat gar nichts erreicht, sondern die Finanzkrise hat Scheffler und Porsche gestoppt. Cool wäre es gewesen, wenn er bei Kursen von 1000 Euro Volkswagenaktien verkauft hätte, um den Landeshaushalt für alle Zeiten zu sanieren. Dann wäre er ein guter Manager. Aber nene, dann wäre er ja einen tollen Posten im Aufsichsrat los und hätte eine Bühne weniger sich zu produzieren.
[/thread] mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.
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