Wirtschaftspresse Tichy wird Chefredakteur der "Wirtschaftswoche"

Roland Tichy, zurzeit Hauptstadtchef des "Handelsblatts", bekommt erneut die Chance, eine Redaktion zu leiten. Der 51-Jährige soll Chefredakteur der Düsseldorfer "Wirtschaftswoche" werden.


Düsseldorf - "Mit Roland Tichy konnten wir einen erfahrenen Kollegen der Verlagsgruppe für die Herausforderung gewinnen, die 'Wirtschaftswoche' zu führen. Er hat schon in vielen verantwortungsvollen Aufgaben innerhalb der Verlagsgruppe bewiesen, dass er ein brillanter Wirtschaftsjournalist und ein kreativer Blattmacher ist", sagte Laurence Mehl, Geschäftsführer der Verlagsgruppe "Handelsblatt". Der 51-jährige hat zuletzt als Stellvertretender Chefredakteur des "Handelsblatts" in Berlin gearbeitet.

Designierter "Wirtschaftswoche"-Chef Tichy: Redaktion von der Nachricht überrascht
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Designierter "Wirtschaftswoche"-Chef Tichy: Redaktion von der Nachricht überrascht

Tichy wird Nachfolger von Stefan Baron, der ab 1. Juni als Kommunikationschef die Deutsche Bank vertreten wird.

Für Tichy ist der Wechsel in die Redaktionsräume der "Wirtschaftswoche" an der Düsseldorfer Kasernenstraße eine späte Rückkehr. Er arbeitete in der Zeit zwischen 1985 und 1990 bereits als Bonner Korrespondent des Blatts.

Die "Wirtschaftswoche"-Redaktion selbst, die derzeit kommissarisch von Klaus Methfessel geleitet wird, ist von der Nachricht überrascht worden. Kurz vor der heutigen Redaktionskonferenz sickerte die Nachricht der Neubesetzung durch. Auf der Konferenz wurde Tichy der "Wirtschafstwoche"-Mannschaft dann offiziell präsentiert. "Wir stehen zu 100-Prozent hinter ihm", sagte Mehl der versammelten Redaktion.

Dort stößt Tichy allerdings auf nicht wenige Vorbehalte - nicht zuletzt, weil er zuvor bereits mit den ehemaligen "Handelsblatt"-Zeitschriften "Telebörse" und "Euro" Schiffbruch erlitten hatte: Das Aktienblättchen "Telebörse" musste nach Millionen-Verlusten eingestellt werden, "Euro" wurde schließlich an die Konkurrenz verkauft.

Bis zuletzt hatte sich Baron in die Diskussion um seine Nachfolge einzuschalten versucht. Da sein Verhältnis zu den neuen Geschäftsführern der "Handelsblatt"-Gruppe als nicht eben harmonisch gilt, besaß er nur noch wenig Einfluss. Auflagen- und Anzeigenschwund in den vergangenen Jahren hätten das ihre dazu beigetragen, die Position des Chefredakteurs zu schwächen, hieß es im Verlag.

Als Barons Wunschkandidaten galten seine stellvertretenden Chefredakteure Michael Inacker und Kai-Peter Rath. Inacker ist Leiter des Berliner "WiWo"-Büros. Rath leitet das Ressort "Geld und Börse". Innerhalb der Redaktion soll er wiederholt für eine solche Lösung geworben haben. Am Ende entschied sich die Verlagsspitze jedoch für die Solo-Lösung.

Ohnehin hat die Verlagsgruppe mit Führungsduos nicht immer gute Erfahrungen gemacht. So trennte sich 1995 nach vier Jahren das "WiWo"-Tandem Volker Wolff und Baron. Nicht viel besser lief es beim Schwestertitel "Handelsblatt". Dort räumte 2004 Thomas Knipp nach kurzer Zeit seinen Chefredakteurs-Sessel und überließ Bernd Ziesemer die alleinige Führung des Blattes.

mik/dpa/AP



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