Wirtschaftssymbolfotos 2008 So sieht ein Desaster aus

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Dirk Müller - das Gesicht des Dax


Die Geschichte hinter dem Bild: Dirk Müller, der Dax-Mann, ist längst Teil der Popkultur. Er hat den kalten Kurven der Börse so oft sein Gesicht geliehen, dass ihn inzwischen Menschen auf der Straße erkennen.

Seit er 1998 beim Kursmakler ICF angefangen hat, sitzt er unter der Dax-Tafel. So richtig beginnt seine Karriere als Vermenschlicher des wichtigsten deutschen Leitindexes aber erst am 11. März 1999 - dem Tag, an dem Oskar Lafontaine als Finanzminister zurücktritt. Kaum ist die Nachricht in der Welt, schießt der Dax um mehr als 300 Punkte in die Höhe. Zu Handelsende verbucht er ein Plus von 5,13 Prozent. "Ein Fotograf ist damals zu mir gekommen und hat nach meiner Meinung zum Lafontaine-Effekt gefragt", erinnert sich Müller. "Ich habe beide Arme in die Luft gerissen und geschrien." Am nächsten Tag drucken Zeitungen das Bild. "Seitdem sind öfter Fotografen gekommen."

2008 dann avanciert Müller endgültig zum Popstar. Am 15. September meldet die US-Investmentbank Lehman-Brothers ihre Insolvenz. Nach dem Crash geraten die Börsen wochenlang in Aufruhr. Die Finanzkrise bricht mit ungeahnter Wucht aus, drückt ganze Branchen an den Rand des Abgrunds und die Weltwirtschaft in die Rezession.

Teleobjektive zoomen jetzt sehr oft auf Müllers Sorgenfalten, auf seine wütend rollenden Augen, auf seine aufgeblasenen Backen. Und hinter Müller sieht man den Dax zwischenzeitlich auf immer neue Rekordtiefs stürzen. "Das Modeln hat manchmal etwas Überhand genommen", sagt der Skontoführer. "Ich fühlte mich ab und zu schon sehr auf Äußerlichkeiten reduziert."

Seit dem 1. Oktober sitzt Müller etwas weiter weg von der Dax-Tafel, als er über die Jahre schon gerückt war. Auch physisch hat er sich vom Kurs entkoppelt. Er versucht jetzt mehr zu sein als ein Symbol. Er erklärt Menschen die Wirtschaftswelt, hält Vorträge zur Finanzkrise.

Anfang Januar veröffentlicht er ein Buch, in dem er die Risiken und Chancen der Konjunkturflaute analysiert und erklärt, wie Arbeitslosen- und Inflationsstatistiken manipuliert werden können.

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