Sorge vor neuer Finanzkrise »Das deutsche Bankensystem ist besser abgesichert«

Wie bedrohlich ist die Pleite der Silicon Valley Bank für europäische Geldhäuser? Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, gibt vorsichtig Entwarnung. Und sagt, welche Lehren man ziehen sollte.
Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats

Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats

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Michael Kappeler / dpa

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer rechnet nicht mit größeren Auswirkungen der US-Bankenpleite auf die deutsche Konjunktur. »Der Zusammenbruch erhöht natürlich die Unsicherheit, was immer negativ ist«, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer. Sie gehe aber insgesamt nicht davon aus, »dass wir einen deutlichen negativen Effekt auf die deutsche Konjunktur erleben werden.«

Der Kollaps der amerikanischen Silicon Valley Bank (SVB) hatte zum Wochenstart Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst und auch an den Märkten in Europa den Bankensektor mit nach unten gezogen. »Eine Finanzkrise 2.0 ist durch diesen Zusammenbruch alleine noch nicht zu erwarten«, sagte Schnitzer. »Bisher deutet noch nichts darauf hin, dass andere Banken negativ davon betroffen sein werden.«

Der Zusammenbruch könne dazu führen, dass die US-Notenbank Fed ihre vorgesehenen weiteren Zinserhöhungen nun reduziere. »Wenn dadurch der Euro relativ zum US-Dollar stärker wird, könnten die Importpreise, insbesondere für Energie, sinken«, sagte Schnitzer. »Gleichzeitig verteuern sich damit deutsche Exporte.«

Das deutsche Bankensystem sei durch deutlich stringentere Regulierungsbestimmungen sehr viel besser gegen solche Krisen abgesichert, als es die SVB gewesen sei. Erst 2018 sei mit der Abschwächung des sogenannten Dodd-Frank-Gesetzes die Bankenregulierung in den Vereinigten Staaten dahingehend geändert worden, dass Banken mit einer Bilanzsumme in der Höhe der SVB nicht mehr den gleichen Stresstests und Kapital- und Liquiditätsanforderungen wie größere Banken unterlägen. »Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, in Deutschland und Europa weiter auf Regulierungsstandards zu setzen, die Entwicklungen wie im Fall der SVB verhindern«, sagte die Wirtschaftsweise.

Kein Sturm auf europäische Banken

Ähnlich hatte sich zuvor Ifo-Präsident Clemens Fuest geäußert, der ebenfalls nicht mit einer neuen Finanzkrise wie 2008/09 rechnet. »Wir müssen die Kirche im Dorf lassen«, sagte Fuest in Berlin. »Wir haben derzeit keinen realisierten Pleitefall in der Eurozone.« Es gebe weder in Deutschland noch in Europa einen Sturm auf die Banken. »Von einer Finanzkrise 2.0 sind wir Gott sei Dank weit entfernt«, so Fuest.

Die Fragilität des Bankensystems sei aber keine Frage der Vergangenheit. Die Risiken als Folge der kräftigen Zinsanstiege seien vorhanden. Die SVB hatte massiv in US-Staatsanleihen investiert, die wegen der steigenden Zinsen aber stark an Kurswert verloren haben. Das brachte die Bank nun in die Bredouille.

»Für mich ist das ein Indiz dafür, dass man aus der Finanzkrise eben nicht die richtigen Lehren gezogen hat«, sagte Fuest. Das hätte man in der langen Phase des billigen Geldes gut machen können, doch sei diese Chance vertan worden. Die Kapitalvorsorge bei Banken sei zwar erhöht worden. Aber das nutze nichts, wenn diese in großem Umfang Staatsanleihen hielten. »Dafür muss man kein Eigenkapital vorhalten«, sagte Fuest.

mamk/Reuters
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