Wirtschaftsweiser Donges "EZB wird von der Politik im Stich gelassen"

Juergen Donges, der Vorsitzende der fünf Wirtschaftsweisen, hält schleppende politische Reformen für die Ursache der Euro-Schwäche. Er sagte, die Wirtschaftspolitik in Europa müsse sich "amerikanisieren".


Fordert mutigere Politik: Juergen Donges
AP

Fordert mutigere Politik: Juergen Donges

Berlin - "Der Euro hat eine Strukturschwäche", sagte Donges. Die Märkte würden Europa mit den USA vergleichen. Die Reformen gingen in Europa aber nur langsam voran.

Der Wirtschaftsweise nannte dabei unter anderem die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die geplante Rentenreform. "Europa muss sich im positiven Sinne amerikanisieren." Dafür sei die jetzige positive Konjunkturentwicklung eine gute Basis. "Wir müssen mit einer klugen Politik auf einen dauerhaften Wachstumspfad einschwenken, dann werden auch die Märkte reagieren", sagte er. Zurzeit gebe es dort aber offenbar Befürchtungen, dass Europa angesichts guter Wirtschaftsdaten in seinen Reformbestrebungen nachlassen könnte.

Eine Absage erteilte Donges Überlegungen, die Zentralbank könne den Euro-Kurs durch massive Dollarverkäufe stützen. "Die Erfahrung zeigt, dass man so einen Devisenkurs nur kurzfristig auf die Beine helfen kann", sagte Donges. Es habe keinen Sinn, gegen die Marktmeinung zu steuern.

Nach seiner Einschätzung sind weitere moderate Zinsschritte der EZB wahrscheinlich. Damit würde die Bank auf mögliche Inflationsgefahren durch die anziehende Konjunktur reagieren. Es sei zurzeit ein steigender Preisdruck zu verzeichnen, sagte er.



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