Wirtschaftsweisheiten 2006 "Ich bin kein Problembär"

20.000 bis 40.000 Wörter spricht der Mensch am Tag, bei Managern und Politikern dürften es oft noch etwas mehr sein. Manchmal sagen sie ungeheuer schlaue Sachen, oft sind ihre Weisheiten aber unfreiwillig komisch. SPIEGEL ONLINE hat die lustigsten, krudesten oder einsichtigsten Sprüche gesammelt.

"Die Deutschen verplempern zu viel Zeit fürs Private. (…) Andere verwenden mehr Zeit darauf, gute Produkte zu machen."

Haifeng Ling, Chef des Mobilfunkgeräte-Herstellers ZTE im Februar.

"Meine persönlichen Ansprüche zum Beispiel sind eher bescheiden."

Im Februar philosophierte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann darüber, dass Reichtum sich nach den eigenen Ansprüchen richtet.

"Was mich am meisten stört an meinem Job als Chef der US-Zentralbank, ist die Tatsache, dass ich einen Anzug tragen muss."

Ben S. Bernanke, nachdem er den Posten als Fed-Chef von Alan Greenspan übernommen hatte.

"Hartz IV ist offener Strafvollzug."

Der Chef der Drogeriekette dm, Götz Werner.

"Meine Kinder benehmen sich in vielerlei Hinsicht so schlecht wie viele andere Kinder auch. Aber zumindest in einer Angelegenheit folgen sie meiner Gehirnwäsche: Benutzt nicht Google und benutzt keinen iPod."

Microsoft-CEO Steve Ballmer im Mai.

"Ich sagte meinen Mitarbeitern, sie seien überbezahlt. Zu meiner Überraschung sahen sie das genauso."

Jamie Dimon, CEO der Investmentbank J. P. Morgan Chase.

"Es ist eine Flucht in die Einfachheit, wenn man abends im Büro bleibt, statt sich der eigenen Familie und den eigenen Kindern auszusetzen."

Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaft an der Technischen Universität Berlin, der das Buch "Die Helden der Familie" schrieb.

Weiter zu Teil zwei: "Ich habe keinen natürlichen Freund"

"Berufe, die man nicht erlernen muss: Den des Ehemanns, des Politikers und des Aufsichtsrats. Zumindest Letzteres sollte sich ändern."

KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff.

Gesundheitsministerin Schmidt lächelt verzweifelt: Sie hat nach eigener Aussage keinen einzigen natürlichen Freund

Gesundheitsministerin Schmidt lächelt verzweifelt: Sie hat nach eigener Aussage keinen einzigen natürlichen Freund

Foto: REUTERS

"Ich bin weder ein Problembär noch ein Streithansel"

Michael Glos (CSU) versuchte im Juli in einem Interview mit diesen Worten seinen angeschlagenen Ruf als Bundeswirtschaftsminister zu retten.

"Das ist kein Durchbruch, das ist ein Beinbruch."

Der Grünen Vorsitzende Reinhard Bütikhofer im Juli über die Gesundheitsreform.

"Das Problem unserer schwindenden wirtschaftlichen Erfolge ist nicht ungezügelter Kapitalismus, sondern dass wir ein verklemmteres Verhältnis zum Kapitlaismus entwickeln."

Springer-Chef Mathias Döpfner.

"Als Gesundheitsministerin habe ich keinen einzigen natürlichen Freund."

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte im August in einer Lagebesprechung in ihrem Büro, dass sie auch verletzlich ist.

Weiter zu Teil drei: "Meine Heuschrecke ist eine Honigbiene"

"Manchmal genügt es schon, wenn man kein Arschloch ist."

Der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche im September über das Geheimnis, wie man Mitarbeitern harte Einschnitte verkauft und trotzdem beliebt ist.

"Das ICE-Unglück von 1998 in Eschede hat auch nicht das Aus der Bahn bedeutet."

Mit dieser Einschätzung versuchte FDP-Verkehrspolitiker Dirk Fischer im September zu erklären, warum das Transrapid-Unglück im Emsland nicht das Aus für die gesamte Technologie bedeutet.

"Meine Heuschrecke jedenfalls ist eine Honigbiene."

Randolf Rodenstock, der den gleichnamigen Brillenhersteller mehrheitlich an einen Finanzinvestor verkaufte, erklärte so im September die segensreichen Aktivitäten des Fonds in seinem Unternehmen.

"Hiermit ernenne ich den Aufsichtsrat von VW zum verschlafensten von ganz Deutschland."

Thomas Shrager, Manager des VW-Großaktionärs Tweedy Browne, nach dem Sturz von VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Den plötzlichen Führungswechsel hatte die Investmentfirma massiv kritisiert. Vor allem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sieht sich ständigen Attacken des Eigentümers ausgesetzt.

"Ihr Deutschen bekommt das nie hin. Wenn ich nächstes Jahr wiederkomme, werdet Ihr immer noch über die Einführung von Reits diskutieren."

Der amerikanische Immobilien-Tycoon Sam Zell im November bei einer Bankenkonferenz in Freiburg über den Kampf um die Einführung von Reits - steuerbegünstigten Immobilien-Aktiengesellschaften, die ihre Erträge fast komplett an die Anleger ausschütten.

"Als Privatperson würde ich mir, wenn ich so viel Geld hätte, einen Mini kaufen. (…) Ich bin sozusagen eine Inkarnation alter Klischees. Da Frauen schlecht einparken können, muss mein Auto klein sein."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im November auf die Frage nach ihrem Lieblingsauto.

"Den Sonntag kriegen wir jetzt auch noch weg."

Der Kaufhausbetreiber Peter Dussmann im November über die neuen Ladenöffnungszeiten in Berlin.

"Der Deutsche ist ja Experte beim Blitzkrieg. Allerdings hat man auch etliche davon verloren."

Scania-Chef Leif Östling über die Übernahmeschlacht, die der Konkurrent MAN gestartet hatte.

"Es ist nicht zu übersehen, dass die - sämtlich nicht vorbestraften - Angeklagten durch das Strafverfahren an sich und das überragende öffentliche Interesse im Besonderen über einen langen Zeitraum hinweg einer überdurchschnittlichen Belastung ausgesetzt sind. (…) Die Höhe der dem Angeklagten Dr. Ackermann auferlegten Zahlung mag gemessen an seinen außerordentlich guten Einkommensverhältnissen als gering erscheinen."

Der Vorsitzende Richter Stefan Drees in seiner Begründung für die Einstellung des Mannesmann-Prozesses gegen Geldauflagen in Höhe von insgesamt 5,8 Millionen Euro.