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30. Dezember 2015, 19:33 Uhr

Kredit für Unternehmen Sibur

Schnäppchen-Milliarden für Putins Schwiegersohn

Wer sich in Russland Geld leiht, muss mitunter hohe Zinsen zahlen - normalerweise. Eine Chemiefirma, an der Wladimir Putins Schwiegersohn beteiligt ist, soll nun 1,56 Milliarden Euro zu besonders günstigen Konditionen erhalten haben.

Über Wladimir Putins Schwiegersohn ist wenig bekannt. Kirill Schamalow soll die jüngste Tochter des russischen Präsidenten 2013 geheiratet haben, sein Vermögen soll mindestens zwei Milliarden Dollar betragen. So viel ist seine 21-Prozent-Beteiligung beim Petrochemie-Riesen Sibur wert.

Eben diese Firma hat nun einen Kredit über umgerechnet 1,56 Milliarden Euro vom russischen Staat erhalten - zu besonders günstigen Konditionen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf öffentlich zugängliche Dokumente.

Konkret hat ein vom Finanzministerium kontrollierter Staatsfonds Anfang Dezember eine über 15 Jahre laufende Anleihe von Sibur gekauft. Das Unternehmen zahlt dafür derzeit zwei Prozent Zinsen im Jahr. Zum Vergleich: Laut Analysten wären für eine derartige Anleihe eigentlich mehr als sieben Prozent üblich. Irina Alizarovskaya von der Raiffeisenbank bezeichnet die Finanzierung als "ganz schön günstig".

Das sieht man auch bei Sibur selbst so. Unternehmenschef Dmitrij Konov sprach in einer Stellungnahme von "sehr günstigen Bedingungen". Man habe jedoch keine Informationen über familiäre Beziehungen zwischen den Aktionären und dem russischen Präsidenten, sagte ein Sprecher. Im Rahmen des Kredits seien alle notwendigen Abläufe eingehalten worden, die Genehmigung sei in strikter Einhaltung der Gesetze erfolgt.

Im Detail sind die Zinsen, die nun für die Milliardenanleihe fällig sind, an die Inflationsrate in den USA gekoppelt: Sibur zahlt einen Prozentpunkt mehr als die jeweils aktuelle US-Teuerungsrate, mindestens aber zwei Prozent. Derzeit liegt die Inflationsrate in den USA bei 0,5 Prozent - solange sie in ähnlichen Tiefen verharrt, bleibt es also bei den Schnäppchenzinsen für Sibur.

Eine Sprecherin des an der Entscheidung beteiligten Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung sagte, die Sibur-Anleihen seien für den Staatsfonds in Rubel gerechnet durchaus eine profitable Anleihe. Zudem würden durch das staatliche Investment auch ausländische Investoren angelockt.

Der Staatsfonds "National Wealth Fund" beteiligt sich normalerweise an nationalen Infrastrukturprojekten. Erst im Oktober hatte der russische Premierminister Dmitrij Medwedew petrochemische Betriebe auf die Liste möglicher Investments des Fonds gesetzt.

Nach Informationen von Reuters hatte sich Sibur zuvor bereits umgerechnet 3,02 Milliarden Euro von europäischen Banken geliehen. Mit dem Geld soll der Neubau eines Petrochemie-Werks in Sibirien finanziert werden. Das Projekt entwickelt Sibur gemeinsam mit dem deutschen Industriegasekonzern Linde und dem Schweizer Chemieriesen Ineos. Die Gesamtkosten für "ZapSibNeftekhim" belaufen sich auf umgerechnet 8,7 Milliarden Euro.

brk/fdi/Reuters

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