Nach WM-Werbeausstieg Rewe beendet auch Sammelalbum-Aktion

Rewe meint es ernst mit seinem Boykott der Fifa-WM. Neben dem Verzicht auf weitere Werbung im Zusammenhang mit dem Turnier sollen jetzt auch die Sammelbildchen weg – Sammler dürfen sich aber nur eingeschränkt freuen.
Rewe-Sammelalbum: Die Plastikhülle gibt es jetzt umsonst

Rewe-Sammelalbum: Die Plastikhülle gibt es jetzt umsonst

Foto: Kay-Helge Hercher / IMAGO

Rewe zieht einen Schlussstrich unter die WM. »Nach den aktuellen Entscheidungen der Fifa sowie den Aussagen von Fifa-Präsident Infantino sieht sich das Unternehmen aufgefordert, sich in aller Deutlichkeit von der Haltung der Fifa zu distanzieren und auf seine Werberechte aus dem Vertrag mit dem DFB – insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft – zu verzichten«, teilte Rewe mit. Der Konzern hätte die Zusammenarbeit mit dem DFB ohnehin beendet, nimmt das aktuelle Geschehen nun aber zum Anlass, früher auszusteigen als geplant.

Neben Plakatwerbung und TV-Spots ist von dem Boykott auch das traditionelle Album betroffen, in dem Plastikkärtchen mit den Abbildern der Kicker der Nationalmannschaft gesammelt werden können. Mit dem Ende der Zusammenarbeit mit dem DFB soll das Sammelalbum jetzt kostenlos verteilt werden. Kunden finden sie im Rewe-Supermarkt an der Kasse, solange noch Vorräte vorhanden sind. »Die bisherigen Erträge des Albums wird Rewe nach Ablauf der Aktion vollständig spenden«, heißt es weiter in der Mitteilung des Unternehmens.

Die 35 zu sammelnden Karten gibt es aber nach wie vor nur, wenn man einkauft. Pro zehn Euro Einkaufswert eine. Zudem gibt es 100 limitierte Karten, die man mit etwas Glück in dem Päckchen findet.

Anlass für den Ausstieg aus der WM-Werbung ist das vom Weltfußballverband Fifa verordnete Verbot der »One Love«-Armbinde. Der DFB hatte die Fifa -Entscheidung zwar kritisiert, sich ihr aber gebeugt. »Wir stehen ein für Diversität – und auch Fußball ist Diversität«, sagte Rewe-Chef Lionel Souque am Dienstag. Diese Haltung verteidige der Handels- und Touristikkonzern auch gegen mögliche Widerstände. »Die skandalöse Haltung der Fifa ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel«, begründete der Rewe-Chef die Entscheidung.

Sieben europäische Mannschaften – darunter die deutsche – hatten am Montag erklärt, auf das Tragen der »One Love«-Armbinde bei den WM-Spielen verzichten zu wollen. Die Fifa hatte jedem Spieler mit einer Gelben Karte gedroht, sollte er die Armbinde tragen. »Wir sind sehr frustriert über die Fifa-Entscheidung«, hatte DFB-Chef Neuendorf mitgeteilt. Er schränkte aber ein, die von der Fifa herbeigeführte Konfrontation werde nicht auf dem Rücken der Spieler ausgetragen. Deshalb tritt auch die deutsche Mannschaft ohne die Armbinde an, die ein Zeichen für Toleranz und gegen Diskriminierung hätte setzen sollen.

Der Rückzieher steht in bemerkenswertem Gegensatz zum Mut der iranischen Nationalmannschaft, die zum Zeichen ihrer Solidarität mit den Demonstranten für Freiheit in ihrem Land das Mitsingen der Nationalhymne verweigerten. Die Spieler riskieren nämlich mit dieser Aktion weit mehr als eine Gelbe Karte auf dem Spielfeld.

mik/Reuters
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