WM-Werbung Kampagnenkampf geht in die nächste Runde

Zunehmend bizarr gestaltet sich die umstrittene Vergabe der drei Millionen schweren "Freundlichkeitskampagne" der Bundesregierung zur Fußballweltmeisterschaft 2006. Die Agentur Abold fordert den Ausschluss des Rivalen Scholz & Friends.

Von Julia Bonstein


WM-Ticketverkauf: Agenturen liefern sich Schlagabtausch
DPA

WM-Ticketverkauf: Agenturen liefern sich Schlagabtausch

Hamburg - Das Bundeskartellamt hatte Ende Juli entschieden, dass die für die Projektvergabe verantwortliche Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) die Angebote der rivalisierenden Agenturen Scholz & Friends und Abold neu bewerten muss. Grund sind Unregelmäßigkeiten im Vergabeverfahren.

Dagegen legte die Münchner Agentur Abold nun Beschwerde ein. Für deren Angebot hatte sich die DZT bereits entscheiden. "Wir bestehen darauf, dass Scholz & Friends vom Verfahren ausgeschlossen wird", sagte Agenturchef Andreas Abold dem SPIEGEL. Seine Begründung: Im Angebot von Scholz & Friends hätten Angaben über die Maßnahmekosten der Kampagne gefehlt.

Die DZT, die bislang weder Fehler im Verfahren noch eine unrechtmäßige Bevorzugung der Agentur Abold erkennen konnte und das Angebot von Scholz & Friends zugelassen hatte, schließt sich Abolds Argumentation an. "In diesem Punkt vertreten wir die gleiche Rechtsauffassung", sagt Norbert Tödter, Projektleiter bei der DZT. Auf eine "eigene, direkte Beschwerde" verzichtete die DZT - man habe Kenntnis von Abolds Beschwerde erhalten. Scholz & Friends will sich dazu nicht äußern.

Bei der Vergabe hatte die DZT eine Jury eingesetzt, zu der auch Abolds langjähriger Geschäftspartner Fedor Radmann und dessen Frau Michaela gehörten. Der Werberverband GWA hatte beim Kartellamt deswegen eine Nachprüfung beantragt, weil er eine Befangenheit der beiden Jurymitglieder vermutete.

Der andauernde Streit verzögert den Beginn der Kampagne, mit der die Bundesregierung für ein gastfreundliches Deutschland werben will. Eigentlich hatte die Aktion bereits zum Confederations Cup im Juni starten sollen.



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